"Mobilität als strategisches Programm"

Overview | IT-Systeme | 06.02.2012

(HealthTech Wire / Interview) - An der mobilen Dokumentation im Krankenhaus kommen KIS-Hersteller nicht mehr vorbei. Karin-Marie Tretter, Vice President Product & Portfoliomanagement, Siemens Healthcare Health Services, erläutert, wie sich der Konzern die mobile KIS-Zukunft in  Zeiten von Apps und Tabs vorstellt und welche neuen Angebote die KIS-Kunden von Siemens in nächster Zeit erwarten können.

Mobile Dokumentation ist alles andere als ein neues Thema. Was genau hat sich durch die jetzt verfügbaren Mobilgeräte eigentlich geändert?
Der wesentliche Unterschied ist, dass die Geräte, über die wir jetzt reden, also Tablet-
PCs und moderne Smartphones, aus dem privaten Umfeld kommen. Das sind Produkte, die die Nutzer kennen und die sie auch außerhalb des beruflichen Kontexts sehr gerne und freiwillig einsetzen. Natürlich sind die neuen Geräte auch kleiner, handlicher und preiswerter als die bisher eingesetzten Mobilgeräte.

Wie ausgeprägt ist der Wunsch, das KIS zu „mobilisieren“, bei Ihren Kunden?
Der ist sehr ausgeprägt. Schon vor einem Jahr war in einer unserer Kundenumfragen
die „Mobility“ bei der Frage, wovon sich die Kunden den stärksten Effizienzhub erwarten, auf Platz zwei. Der Druck, den wir im Moment spüren, kommt nicht aus dem Management und auch nicht aus den IT-Abteilungen. Er kommt von den Nutzern, und damit ist die Dynamik viel größer. Einen so deutlichen Wunsch der User nach IT-Unterstützung und neuen Anwendungen haben wir im KIS-Markt noch nie zuvor wahrgenommen. Und der Grund ist, dass der rasche mobile Zugriff auf Daten echten Nutzen stiftet, weil er Zeit spart und, in Verbindung mit einem attraktiven Endgerät, Spaß macht.

Siemens hat gemeinsam mit SAP an der Berliner Charité ein Pilotprojekt durchgeführt, bei dem Daten, die unter anderem in i.s.h.med® liegen, über eine App für den iPad-Zugriff verfügbar gemacht werden. Ist das der Startschuss für eine breit angelegte Mobilisierungsinitiative?
Wir befinden uns eher schon mitten drin in einem strategisch aufgesetzten Programm.
Schon im letzten Jahr hatten wir bei der conhIT erste mobile Anwendungen dabei.
Der mobile Zugriff wird zunehmend zum Mittel der Wahl, um Prozesse komplett
IT-gestützt abzubilden. Die Apps selbst sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Wir müssen uns auch intensive Gedanken machen über Betriebssicherheit, Nutzer- und  Geräteverwaltung, sowie Auslieferung. Da stecken wir derzeit mitten drin.

Die App, die an der Charité eingesetzt wurde, liefert einen erfolgreichen Proof of Principle. Wie lässt sich der mobile Zugriff konkret auf i.s.h.med aus Ihrer Sicht weiter optimieren?
Nach so einem Projekt geht es immer darum, die Usability noch einmal zu verbessern.
Hier haben wir konkrete Vorschläge von den Nutzern eingesammelt. Der nächste
Schritt ist dann die Einführung einer echten Visitenunterstützung. Bisher haben wir ja nur den Aktenzugriff realisiert. Jetzt wird es darum gehen, bestimmte Befundansichten
zu bieten, einen lesenden, aber auch schreibenden Zugriff auf die Medikation zu ermöglichen sowie die Möglichkeit zu bieten, bestimmte klinische Parameter direkt zu erfassen. Das ist speziell für die Pflege sehr interessant. Ganz unabhängig von der Visitenunterstützung kann ich mir für die Zukunft noch zahlreiche weitere Apps vorstellen,
in der Materialwirtschaft beispielsweise oder bei der Aktenanforderung. Auch das
Terminmanagement und Arbeitslisten bieten sich an. Denkbar wären außerdem Patienten-Apps, mit denen im Vorfeld eines  Klinikaufenthalts Daten erfasst oder seitens der Klinik Informationen zur Verfügung  gestellt werden.

Wann werden die Anwender von i.s.h.med mobile iOS-Module regulär nutzen können?
Wir werden bei der conhIT 2012 unsere Visiten-App vorstellen und sie in der zweiten
Jahreshälfte 2012 im Markt einführen. Die Programmierung der App ist dabei nicht die große Herausforderung, sondern der Rest des Eisbergs: Wie manage ich eine App-Welt, wenn in einer Klinik 500 bis 1000 Mobilgeräte im Einsatz sind? Wie läuft die User-Verwaltung? Wie gehe ich  mit Geräteverlusten um? Das sind die Punkte, für die wir Antworten benötigen.

Wie sieht es mit den anderen KI-Systemen von Siemens aus?
Die Einführung mobiler Apps ist für uns ganz klar ein übergreifendes Projekt über
alle Produktlinien hinweg. Die Arbeitsprozesse, die wir in Apps abbilden und die
Mobilgeräte selbst sind unabhängig vom KIS. Wir haben mit i.s.h.med begonnen,
werden bei den anderen Produkten aber rasch nachziehen. Das hat weniger mit
technischen Fragen als eher mit den unterschiedlichen Produktzyklen zu tun.

Frau Tretter, vielen Dank für das Gespräch. (HTW)

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"Die Einführung mobiler Apps ist für uns ganz klar ein übergreifendes Projekt über alle Produktlinien hinweg"
"Die Einführung mobiler Apps ist für uns ganz klar ein übergreifendes Projekt über alle Produktlinien hinweg"
Karin-Marie Tretter ist Vice President bei Siemens Healthcare Sector
Veröffentlicht in GoDirect / Newspartner
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