„Ein KIS ist mehr“

(HealthTech Wire/ Interview) - Die Beschaffung oder der Ausbau eines KIS erfordert viel Sorgfalt. Jacqueline Savli, Director Solution Unit Medicine & Care bei dem Healthcare-IT-Spezialisten Tieto, rät Krankenhäusern im HealthTech Wire Sommerinterview, IT auch als Wertschöpfung zu verstehen und die Prozessorientierung im Blick zu haben.

Wo liegen die besonderen Stärken des Unternehmens Tieto im KIS-Bereich?
Tieto ist ein führender IT-Anbieter in Europa. Wir haben eine globale Ausrichtung und fokussieren in unterschiedlichen Ländern auf eine Reihe von unterschiedlichen Branchen. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf IT-Services und Produktentwicklung. Der Healthcare-Sektor ist dabei eine der wichtigsten Branchen, gerade auch in Deutschland. Unser Kernprodukt iMedOne unterstützt Anwender in allen Arbeitsprozessen des klinischen Alltags. Zusätzlich bieten wir Krankenhäusern auch Beratung in IT-Fragen und gezielte Entwicklungsdienstleistungen an. Unsere internationale Ausrichtung kommt den Kunden dabei oft zu Gute: Im Gesundheitswesen beispielsweise partizipieren deutsche Krankenhäuser an den Arbeiten im Bereich intersektorale Versorgung, die in Skandinavien schon seit Jahren praktiziert und in IT umgesetzt wird. Entsprechend weit entwickelt sind unsere Angebote in diesem Bereich, etwa unser Portal für einweisende Ärzte oder unser ausgefeiltes Global Ressourcen Management, das unter anderem einen SMS-Service für Patienten bietet.

Was sind im Healthcare-Sektor die Themen, die Ihre Kunden im Moment besonders bewegen?
Aktuell bemerken wir neben einem anhaltenden Interesse an der Bereitstellung von Produkten wie Triage-Lösungen oder Lösungen für das Ressourcenmanagement ein hohes Interesse am Thema Datenschutz. Das hängt mir der Orientierungshilfe für Krankenhäuser zusammen, die die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder Anfang des Jahres vorgelegt haben. Ein weiteres aktuelles Thema ist nach wie vor das Medizinproduktegesetz, das festlegt, dass auch reine Softwarelösungen unter bestimmten Bedingungen ein Medizinprodukt sein können und damit zertifizierungspflichtig werden, sofern sie unmittelbar für Diagnose oder Therapie eingesetzt werden.

Wie steht Tieto zu der Initiative der Datenschützer, die sich ja vor allem um das Identity- und Access-Management dreht?
Grundsätzlich begrüßen wir diese Initiative als ersten Schritt für einen Diskussionsprozess. Wir denken aber auch, dass die Orientierungshilfe noch optimiert werden muss und engagieren uns deswegen im Rahmen des Bundesverbands bvitg für eine Überarbeitung. Eine wichtige Botschaft dabei ist, dass Datenschutz nur als Gesamtkonzept funktioniert: Es geht nicht nur um eine Anpassung der IT-Produkte, sondern auch um eine datenschutzkonforme Organisation der Prozesse im Krankenhaus inklusive Mitarbeiterschulung. Das Unternehmen Tieto steht hier für die Kunden als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung. Wir sehen den Datenschutz als integralen Teil der Patientensicherheit und arbeiten mit unseren Anwendern an einer erweiterten Unterstützung bei den internen Datenschutzbemühungen.

Wie können Sie Ihren Kunden in Sachen Medizinproduktegesetz weiterhelfen?
In Deutschland ist man mehrheitlich der Auffassung, dass IT-Lösungen für die Dokumentation oder Präsentation nicht unters MPG fallen. Das ist schon mal eine Aussage, aber letztlich keine wirklich klare Richtung. Um hier mehr Sicherheit zu schaffen, liegt unser Fokus auf einer Optimierung der Prozesse. Wir versuchen, eine aufwändige und unter Umständen auch für die Kunden teure Zertifizierung zu vermeiden. Sollte bei einzelnen Produkten allerdings eine Zertifizierung erforderlich werden, können wir das schnell und effizient durchziehen, nicht zuletzt weil wir damit zum Beispiel in Skandinavien Erfahrungen haben.

Der KIS-Markt in Deutschland hat sich in den letzten Jahren konsolidiert, ist aber immer noch recht breit gefächert. Wo sehen Sie konkret die Stärken beziehungsweise Schwerpunkte Ihres KIS iMedOne?
Mit iMedOne liefern wir eine Lösung, die die Anwender optimal unterstützt. Ein großes Thema bei uns ist die so genannte „mobile integrated platform“. Mit dem KIS iMedOne haben Nutzer die Möglichkeit, Informationen sofort und überall bereitzustellen, dabei nutzen die Anwender ein iPod Touch.. iMedOne setzt zudem auf eine webbasierte, service-orientierte Architektur (SOA), und zwar vom klinischen Pfad bis hin zur Abrechnung. Alle unsere Bestandskunden wurden auf die neue Plattform migriert. Ein Punkt, der mir auch wichtig ist: Kliniken sollten das KIS oder generell die Healthcare-IT nicht nur als Hilfsmittel, sondern als ein Teil der Wertschöpfung betrachten. Und hier kann iMedOne punkten.

Inwiefern?

Unser KIS bietet eine prozessorientierte Unterstützung der Anwender nicht nur in den medizinischen Funktionen, sondern überall bis hin zum Zuweiser. Erst dadurch wird ein wirklich globales Ressourcenmanagement möglich, das der Anforderung gerecht wird, eng verzahnte medizinische Leistungen in hoher Qualität und gleichzeitig immer knapperen Zeitfenstern zu erbringen. iMedOne bietet eine optimale Workflowunterstützung und damit die Option für eine Überwachung und letztlich Verringerung der Prozesskosten. Ein weiterer Punkt ist, dass wir durch unsere SOA-Architektur ein skalierbares Produkt haben, das in schlanken Projekteinheiten und insgesamt relativ zügig eingeführt werden kann – ohne dabei auf Flexibilität und Detailanforderungen zu verzichten.

Mit einem KIS lassen sich also Kosten sparen?
Auf jeden Fall. Ohne ein KIS können die eng getakteten Untersuchungen und Behandlungsprozesse, die das heutige Versorgungssystem erfordert, gar nicht effizient umgesetzt werden. Die zunehmende Leistungsverdichtung wird für die Kliniken immer wichtiger. Das gelingt aber nur mit einer integrierten Plattform, die die relevanten Informationen für die jeweilige Zielgruppe – Ärzte, Pflege, Patienten – wirklich verfügbar hält. Nur dann können die Kliniken eine vernünftige OP-Planung, Bettenplanung oder Leistungsplanung machen.

Frau Savli, herzlichen Dank für das Gespräch. (HTW)


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Quelle: HealthTech Wire für Tieto Deutschland GmbH 

"Es geht nicht nur um eine Anpassung der IT-Produkte, sondern auch um eine datenschutzkonforme Organisation der Prozesse im Krankenhaus inklusive Mitarbeiterschulung."
"Es geht nicht nur um eine Anpassung der IT-Produkte, sondern auch um eine datenschutzkonforme Organisation der Prozesse im Krankenhaus inklusive Mitarbeiterschulung."
Jacqueline Savli ist Director Solution Unit Medicine & Care bei dem Healthcare-IT-Spezialisten Tieto
Veröffentlicht in GoDirect / Newspartner
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