"Unsere Vision ist eine deutliche Optimierung der Arbeitsabläufe in der Klinik"

(HealthTech Wire / Interview) - SAP hat gemeinsam mit der Charité Universitätsmedizin Berlin im April 2011 ein Pilotprojekt zur mobilen Visitenunterstützung gestartet. Dr. med. Gero Lurz, Industry Presales Principal Healthcare bei SAP Deutschland, sieht eine außergewöhnlich große Akzeptanz bei den Ärzten und rät Kliniken bei der Einführung mobiler IT-Anwendungen zu einem plattformbasierten Ansatz.

Warum betreibt SAP gemeinsam mit der Charité Berlin das Pilotprojekt zu mobilem Zugriff auf die elektronische Fallakte?
Die Ärzte fordern schon lange, dass die Systeme, die sie in ihrem Arbeitskontext verwenden, intuitiver bedienbar und näher an ihren Prozessen sein sollten. Nachdem sich die Smartphones in den letzten Jahren stark verbreitet haben, nahm auch die Nachfrage der Ärzte nach einer mobilen Datenabfrage während der Visite deutlich zu. Das gab den Ausschlag für unser Projekt mit der Charité, wo die Technologie zunächst in der Abteilung Neurologie zum Einsatz kommt. Unsere Vision für dieses Projekt ist es, durch das Design entsprechender mobiler Lösungen eine deutliche Optimierung der Arbeitsabläufe für die Anwender in der Klinik zu erreichen.

Worauf haben Sie bei der Entwicklung Ihrer neuen App für die mobile Visite besonders geachtet?
Wir haben uns im ersten Schritt auf die Informationsbereitstellung beschränkt. Von Beginn an haben wir den Anwendern bei der Arbeit über die Schulter geschaut, um die Lösung den normalen fachlichen Abläufen genau anzupassen. Ich glaube, dies ist uns beim Zugriff auf die bestehenden Informationen auch gelungen. Es ist ja ein Merkmal der modernen Devices, dass sie haptisch angenehm und für eine intuitive Bedienung ausgelegt sind. Wenn Sie solche Geräte und Apps benutzen, haben Sie das Gefühl „it just works“. Das ist auch das Feedback, das wir von den Anwendern bekommen haben.

Wie funktioniert der mobile Zugriff auf die Patientendaten in Ihrem Pilotprojekt konkret?
Ganz konkret ist eine App für das Apple iPad entstanden: SAP Electronic Medical Record, kurz SAP EMR. Nach heutigem Stand gibt es eine Anbindung der App an das administrative SAP-Back-End System, an das klinische System i.s.h.med® von Siemens und das Bildarchivierungssystem (PACS). Die App kann aber prinzipiell an alle klinischen Back-Ends ngeschlossen werden. Hier sind wir gegenwärtig im Gespräch auch mit Herstellern anderer klinischer Systeme. Wer sich als Arzt einen Eindruck verschaffen und sich anschauen möchte, wie die App funktioniert, kann sie heute schon gratis im Apple iTunes Store herunterladen und im Offline-Demomodus mit Demodaten testen.  

Wie realisieren Sie einen wirklich sicheren Datenzugriff von den mobilen Endgeräten aus?
Der Zugriff ist nur über registrierte Geräte möglich, die über ein Gerätemanagement gesteuert werden, das den gesamten Lebenszyklus der Geräte erfasst und absichert. Wir nutzen dabei das existierende Berechtigungskonzept der Klinik. Nutzer können also über die App nichts sehen, was sie nicht als berechtigter Anwender in den klinischen Informationssystemen auch sehen könnten. Eine permanente Datenspeicherung auf dem mobilen Gerät erfolgt nicht. Die Information ist also nur dann verfügbar, wenn eine WLAN-Anbindung besteht. Wir verschlüsseln den Cache-Speicher während der Nutzung der App und löschen ihn sofort bei deren Verlassen. So kann das mobile Gerät keine Daten enthalten, die bei Verlust oder Diebstahl Unbefugten in die Hände fallen könnten. Der Zugriff erfolgt außerdem nur über abgesicherte klinikeigene Funknetze.

Wie reagieren die Ärzte auf den Einsatz dermobilen Technologie?
Wir haben in einem IT-Projekt dieser Art eigentlich selten ein so positives Feedback bekommen. Das bezieht sich nicht nur auf das finale Ergebnis der App, die jetzt vorliegt
und deren praktische Einsatzfähigkeit die Anwender bestätigen. Es bezieht sich auch auf unsere Vorgehensweise im Projekt. Wir haben den Software-Entwicklungsprozessmit einer hohen Transparenz gegenüber den Anwendern sowie häufigen Feedbackrunden gestaltet und die Rückmeldungen pragmatisch berücksichtigt. So ist eine mobile IT-Unterstützung mittels Smart-Device und einem App-Design entstanden, die hervorragend auf die  Arbeitsabläufe in der Klinik passt. Ganz konkret loben die Ärzte den intuitiven Zugriff auf Informationen. Sie schätzen es, dass im Gegensatz zu einer Papierakte der Zugriff von mehreren Orten gleichzeitig möglich ist. Bei längeren Visiten können sie aktuelle  Informationen wie Laborbefunde und Ergebnisse bildgebender Verfahren abrufen, die vielleicht erst während der Visite entstehen.

Worauf sollten Kliniken achten, die mobile IT-Anwendungen einführen möchten?
Wichtig ist für Kliniken, dass sie den Blick nicht nur auf eine einzelne Applikation richten, sondern auf eine mobile Architektur achten, die sich nachhaltig managen lässt. In dem Moment, wo verschie - dene Berufsgruppen mit entsprechend angepassten Geräten versorgt werden sollen, hat man nicht nur einen Hersteller im Haus, sondern mehrere. Auch für den Zugriff auf mehrere klinische Back-End-Systeme ist es mit einer einzelnen App nicht getan. Dann ist es wichtig, einen plattformbasierten Ansatz zu wählen. Er ermöglicht es, eine Vielzahl von Gerätetypen mit einer Vielzahl von Applikationen und multiplen Back-End-Anbindungen zu managen. So kann man auch in Zukunft Lösungen nachhaltig anbieten. Wenn Sie sich ansehen, wie viele neue Geräte und neue Betriebssysteme jährlich auf den Markt kommen, erkennen Sie die Schnelllebigkeit technischer Neuerungen. Hier kann man nur über einen ganzheitlichen Ansatz die getätigten Invesitionen sichern.

Herr Dr. Lurz, vielen Dank für das Gespräch. (HTW)

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Quelle: HealthTech Wire für SAP Deutschland AG & Co. KG

"Unsere Vision für dieses Projekt ist es, durch das Design entsprechender mobiler Lösungen eine deutliche Optimierung der Arbeitsabläufe für die Anwender in der Klinik zu erreichen."
"Unsere Vision für dieses Projekt ist es, durch das Design entsprechender mobiler Lösungen eine deutliche Optimierung der Arbeitsabläufe für die Anwender in der Klinik zu erreichen."
Dr. med. Gero Lurz ist Industry Presales Principal bei der SAP Deutschland AG & Co. KG.
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