Neue E-Health Strategie der Post an der Schnittstelle von Behandlungs- und Logistikprozessen

Post CH AG | IT-Systeme | 19.09.2016

(HealthTech Wire / Interview) – Beim diesjährigen Swiss eHealth Summit wird die schweizer Post ihre neue E-Health Strategie vorstellen. Der angestammte Logistikanbieter möchte sich durch die Verknüpfung seiner Kompetenz im Transportsektor mit seiner Expertise im E-Health-Bereich zu einem Managed Service Anbieter im Gesundheitsmarkt profilieren. Im Vorfeld des Summits erläutert Martin Fuchs, Head Business Area E-Health, Post CH AG, wie sich die Post an der Schnittstelle von Behandlungs- und Logistikprozessen positioniert.

Was sind die Herausforderungen für E‐Health an der Schnittstelle von Behandlungs‐und Logistikprozessen?

Immer wenn medizinische Behandlungsprozesse die Verwendung von Materialien erforderlich machen ─ sei es, dass man beispielsweise bei einer Knieoperation eines künstlichen Kniegelenkes und der dazugehörigen Instrumente bedarf, oder Medikamente verabreicht werden müssen ─ ist es notwendig, dass diese dann auch zeitgenau am Behandlungsort einsetzbar sind. Auf diese Schnittstelle von Behandlungs- und Logistikprozessen richtet sich die neue E-Health Strategie der Post, die wir vor drei Monaten initiiert haben. Mit Blick auf die Zufriedenheit unserer Kunden wollen wir effizientere und präzisere Bestellprozesse gestalten und damit Ärzten, Kliniken und Bürgern das Leben vereinfachen. Damit das gelingt, arbeiten wir mit den Kunden und vielen Partnern intensiv zusammen, um den Workflow aus allen Perspektiven zu verstehen und die beiden Prozesse, Behandlung und Logistik, ohne Medienbrüche optimal zusammenzuführen und vernetzen zu können. Es sind Spezialisten gefordert, da es gilt, für jede Behandlung, neue Herausforderungen zu meistern.

Welche Logistikangebote offeriert die Post im Gesundheitsmarkt?

Das Bereitstellen von Logistikleistungen der Post im Gesundheitswesen an sich ist nichts Neues. Wir sind schon länger als Anbieter von Logistik Services unterwegs. Zahlreiche Spitäler haben schon seit vielen Jahren solche Prozesse ausgelagert, die zwar medizinische Behandlungen unterstützen, selbst aber keine darstellen, aber zu Verbesserungen der Behandlungsqualität und zu Kostenersparnissen führen. Es ist auch ganz klar, dass die Post sich nicht als Anbieter von medizinischen Dienstleistungen etablieren will. Ein Beispiel für unser Logistikangebot ist die E-Medikation, von unserem Zentrallager aus beliefern wir Spitäler. Oder nehmen Sie Archivlösungen und OP-Materialien: Die Post holt Dokumente aus den Spitälern, lagert sie ein und liefert sie bei Bedarf wieder aus. Wir befüllen auch das Lager für OP-Handschuhe und beseitigen selbst den Abfall. Auch liefern wir Gelenke mitsamt den dazugehörigen Instrumenten in den OP, holen die benutzten Instrumente nach dem Eingriff wieder ab und lassen diese für den nächsten Einsatz sterilisieren.

Wie funktioniert die E-Health Plattform der Post und wie hilft sie, die Schnittstellenproblematik zwischen Behandlung und Logistik zu lösen?

Die E­Health Lösung der Post ist eine modular aufgebaute Plattform, die Gesundheitsakteure rund um die Patienten digital vernetzt und einen sicheren Austausch von Patientendaten ermöglicht. Die Plattform besteht aus fünf Modulen ─ Elektronisches Patientendossier (ePD), E-Zuweisung, E-Medikation, E-Behandlungsplan und E-Berichttransfer. Jedes Modul nimmt klar festgelegte Informationen auf, verschlüsselt diese und transportiert sie sicher entlang des Behandlungspfades zu den gewünschten Akteuren, die jederzeit darauf zugreifen können. Alle Module sind uneingeschränkt miteinander kombinierbar.

Die Strategie der Post sieht vor, E-Health zu einem neuen Kernbereich im digitalen Angebot auszubauen. Sowohl unsere E-Health Plattform (für das ePD in Genf – „mon dossier medical“) als auch unsere Logistiklösungen im Gesundheitsbereich sind produktiv, nun führen wir beide zusammen.

Konkret heisst das, dass wir schrittweise neue Lösungen entlang dieser fünf Module auf den Markt bringen. Beispielsweise im Bereich E-Medikation ermöglichen wir die Verzahnung von Behandlungs- und Logistikprozess: Wenn ein Patient ein Medikament verschrieben bekommt, wird automatisch der Auslieferungsprozess ausgelöst. Der Patient kann direkt dem Arzt sagen, wohin die Arznei ausgeliefert werden soll. Je nach Kundenwunsch kann die Post etwa nach Hause, an den Arbeitsplatz, an eine Poststation oder einen -automaten liefern. Oder im Falle des E-Behandlungsmanagements für Diabetiker kann die Post die Medikamente liefern. Gegebenenfalls überwachen wir auch chronisch Kranke, indem wir bestimmte Werte mittels Sensoren erfassen. Die Post liefert dann nicht nur die Geräte, sondern fungiert als Datendrehscheibe, wir führen Daten zusammen und speichern sie im ePD. Unser neues Angebot ist so konzipiert, dass wir auch an E-Health Plattformen anderer Anbieter anknüpfen können.

Gewähren Sie uns noch einen Ausblick in die Zukunft Ihrer E-Health Strategie?

Die Post wird überprüfen, wie wir die bereits vorhandenen Elemente unserer Logistikexpertise um eine E-Health Kompetenz erweitern können. Wie können wir medizinisches Know-how über den verlängerten Arm der Post bereitstellen? Denkbar wäre hier, dass man in ausgewählten Poststellen einen direkten Videolink zu einem Telemedizinanbieter anbietet und danach gleich dringende Medikamente geliefert bekommt. Es gibt viele Möglichkeiten und wir gehen dabei schrittweise vor, diese zu eruieren, um dem hohen Vertrauen, das unsere Kunden in uns haben, gerecht zu bleiben.

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"Mit Blick auf die Zufriedenheit unserer Kunden wollen wir effizientere und präzisere Bestellprozesse gestalten und damit Ärzten, Kliniken und Bürgern das Leben vereinfachen."
"Mit Blick auf die Zufriedenheit unserer Kunden wollen wir effizientere und präzisere Bestellprozesse gestalten und damit Ärzten, Kliniken und Bürgern das Leben vereinfachen."
Martin Fuchs, Head Business Area E-Health, Post CH AG
Veröffentlicht in GoDirect / Newspartner

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