(HealthTech Wire / Interview) - Es war ein langer Weg von der Diktataufzeichnung auf kleinen tragbaren „Kassettenrekordern“ hin zu den modernen Sprachlösungen von heute. Philips Speech Processing bestimmte die technische Entwicklung in diesem Bereich über Jahrzehnte und möchte zukünftig, in einer mobilen Krankenhauswelt, arztfreundliche Spracheingabe sicherstellen; denn gerade bei einer mobilen Arbeitsweise rücken Einfachheit und Sicherheit von Arbeitsabläufen in den Mittelpunkt, sagt Roberto Jeschar, Director Speech Consulting bei Philips Speech Processing, im HealthTech Wire Interview.
Wie gravierend wird die Veränderung des Gesundheitswesens durch die mobilen Geräte sein? Stehen wir tatsächlich vor einem Umbruch?
Es dauert sicher länger als die Optimisten das vermuten, aber wir stehen ganz klar vor einem Umbruch. Auch die letzten Bastionen der Papierakte werden fallen, es wird keine Patientenakten mehr in physischer Form geben. Es gilt jedoch abzuwarten inwiefern sich die Tablet-PCs, die es ja schon seit 10 Jahren gibt, weiter durchsetzen oder ob ihre Beliebtheit auf den privaten Bereich limitiert bleibt.
Mobile Lösungen sind ein Trend, aber nicht unbedingt ein neuer – gerade was Ihr Kerngeschäft, das professionelle Diktieren angeht.
Aus unserer Sicht war die mobile Arbeitsweise schon immer die bevorzugte Variante. Denn bevor die Integratoren das Diktieren in die Patientenakten eingeführt haben, wurde bereits mobil diktiert. Der Arzt nutzte dazu Kassettengeräte. Die waren klein, handlich und konnten während der Visite eingesetzt werden. Dann gab es einen „Rückschritt“, denn plötzlich musste man am Computer direkt in die Patientenakten oder das Krankenhausinformationssystem diktieren. Damit rückten kabelgebundene Diktiergeräte in den Mittelpunkt. Heute jedoch geht der Trend eindeutig wieder zurück zum mobilen Diktat – denn die Patientenakten werden mobil.
Für das Geschäft war dieser „Rückschritt“ ein wichtiger Aspekt: Philips etablierte mit dem SpeechMike das erfolgreichste Diktiermikrofon aller Zeiten.
Richtig, allerdings hauptsächlich im medizinischen Bereich. Andere Branchen in denen sehr viel diktiert wird, wie die Justiz oder bei den Anwälten, setzten auf mobile Diktiergeräte. Heute verkaufen wir ungefähr 90 % kabelgebundene Diktiergeräte im medizinischen Bereich und 90 % mobile Diktiergeräte in anderen Bereichen.
Neben der mobilen Hardware liefern sie auch mobile Software – u.a. Apps für Smart-Phones. Was unterscheidet die Philips Apps von einer Aufnahmefunktion im Telefon?
Wir sprechen über einen Arbeitsablauf, einen Workflow – nicht über eine Aufnahmefunktion. Dazu zählen die verschlüsselte Übertragung und sichere Übermittlung, auch von sehr langen Aufzeichnungen. Ein Diktat per Email zu verschicken ist nicht sicher, bei langen Diktaten auch technisch schwierig. Die Philips Dictation App (SpeechExec Enterprise Diktier-Recorder für iPhone und BlackBerry) zerlegt das Diktat automatisch in viele kleine Teile und versendet diese je nach Verfügbarkeit der Datenverbindung. Auf der Empfängerseite wird das Diktat dann automatisch wieder zusammengesetzt.
Bei der Übertragung erfolgt eine Punkt-zu-Punkt Verschlüsselung und der Server auf der Empfängerseite braucht eine Berechtigung um das Diktat zu empfangen. Von diesem Server werden die Diktate an den Schreibdienst weitergeleitet oder an die Spracherkennung. Wir sprechen also über einen nahtlosen Prozess und nicht nur über die Aufzeichnung von Sprache.
Der Workflow gewinnt im mobilen Bereich an Bedeutung…
Absolut! Die Geräte müssen in einen Prozess eingebunden sein, der ihre Bedienung absolut einfach und intuitiv macht. Ein Arzt wird zum Beispiel keine mobile Aufzeichnung machen, wenn er sich auch noch aktiv um deren Übertragung ins zentrale System kümmern muss. Auch menschliche Fehler müssen von dem Workflow aufgefangen werden; wir können nicht das Risiko eingehen, dass der Arzt ein Diktat aus Versehen an eine falsche E-Mail-Adresse schickt. Das ist nicht tolerabel.
Aus ihrer Erfahrung heraus, welches sind die wichtigsten Nutzeranforderungen im mobilen Bereich?
Robustheit ist das A und O; die Geräte dürfen nicht störungsanfällig sein. Die Ergonomie spielt eine wichtige Rolle; die Ärzte diktieren sehr lange mit den Geräten. Und die Aufnahmequalität ist von entscheidender Bedeutung, gerade wenn man mit Spracherkennung arbeiten möchte. Der Krankenhausflur ist ja kein Forschungslabor; es herrschen keine Idealbedingungen. Daher ist ein professionelles Mikrofon die Grundlage für erfolgreiche mobile Sprachaufzeichnung und deren anschließende Erkennung.
Gibt es Gründe nicht in die mobile Welt zu wechseln und ist einer dieser Gründe, gerade im medizinischen Bereich, der Datenschutz?
Nein. Mit unseren mobilen Diktiergeräten ist das Problem gelöst. Die Aufzeichnung auf der Karte erfolgt komplett verschlüsselt. Es ist auch bei den Smart-Phone Applikationen gelöst. Wenn Sie mit Philips Applikationen diktieren werden Ihre Diktate verschlüsselt übertragen.
Mobiles Diktat für mobile Krankenhaus-IT: Kehrt eine traditionelle Arbeitsweise zurück in neuem Gewand?
Ich will nicht nur vom Diktieren sprechen, sondern von der Spracheingabe. Die Spracheingabe setzt sich durch und wird die Tastatur verdrängen. Aber auch hier gehöre ich nicht zu den Optimisten und sehe einen Zeitrahmen von drei bis fünf Jahren als realistisch.
Herr Jeschar, vielen Dank für das Gespräch. (HTW)
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Quelle: HealthTech Wire für Philips Speech Processing

