Swiss eHealth Summit in Bern: Wunsch und Wirklichkeit vereint

Die Branche diskutiert neue Entwicklungen und Projekte im Bereich eHealth

Overview | IT-Systeme | 29.08.2011

BERN, CH - (HealthTech Wire / Meinungen - von Sebastian Schnabel) - Prof. Dr. Christian Lovis, Leiter der klinischen Informatik im Universitätsspital Genf, eröffnete beide Tage des diesjährigen Swiss eHealth Summit in Bern, und unterschiedlicher hätten seine Eröffnungen nicht sein können: Am ersten Tag trug er ein schwarzes Sensor-T-Shirt, das auf der Vorderseite in digitalen Ausschlägen seinen Herzschlag wiedergab. Die Botschaft: Mit eHealth ist heute schon viel mehr möglich, als in der Realität zum Einsatz kommt. Am zweiten Tag trat Lovis hingegen als Mahner auf. „Ein Haus von einem Tag X an papierlos zu betreiben, ist kein Ziel für eine Klinik“, sagte der Mediziner und IT-Experte. Ziele seien stattdessen, die Behandlungsqualität zu erhöhen, die Patientensicherheit zu verbessern oder die Anzahl die Medikationsfehler zu verringern. „IT kann dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen. Aber es darf nie selbst zum Ziel werden.“

Story Highlights
  • Kongress unter dem Motto "eHealth - Wunsch und Wirklichkeit" behandlete Thema eHealth und IT in unterschiedlichen Kontexten mit Bezug auf Spitäler, Pflege, Hausärzte und Arzneimittel
  • Einführung der DRG in Schweizer Krankenhäusern und die Projekte der Schweizer eHealth-Strategie als Dauerthemen in Vorträgen
  • Weitere Themen waren die eMedikation in der Region Basel/Lörrach, sowie die Testwochen "connect-a-thons" der IHE

DRG und eHealth-Strategie prägen den Summit                                                             Sinnbildlich waren Lovis unterschiedliche Eröffnungen damit für den Rahmen der gesamten Veranstaltung, die unter dem Motto „eHealth – Wunsch und Wirklichkeit“ stand. Und die Referenten hielten sich daran, den Praxis- und den Realitätsbezug ihrer Konzepte nie aus den Augen zu verlieren. eHealth und IT wurden somit in den unterschiedlichen Kontexten mit Bezug auf die Spitäler, die Pflege, die Hausärzte und die Arzneimittel behandelt. Zwei gesetzliche Vorgaben beeinflussten dabei fast alle Vorträge: Zum einen werden im kommenden Jahr die DRG (diagnosis related groups) in den Krankenhäusern der Schweiz eingeführt. Insofern war Abrechnungssoftware sowohl auf dem Kongress, als auch an den Ständen der Aussteller viel diskutiert. Zum anderen waren die Projekte der Schweizer eHealth-Strategie ein Dauerthema. In der Region Basel/Lörrach, die traditionell eine hohe Patientenfluktuation und einen hohen Anteil ausländischer Patienten hat, wird derzeit beispielsweise ein Projekt zur eMedikation getestet. Johann Zehntner vom Projekt eMedikation betonte in seinem Vortrag, dass das Projekt offen angelegt sei. Er lud alle interessierten Unternehmen zur Kooperation ein.

Vernetzung auf allen Ebenen
Die Tage der Einzelkämpfer, auch das wurde auf dem eHealth Summit deutlich, sind vorbei. Vernetzung auf allen Ebenen ist gefragt und notwendig zugleich. An den Ständen stellten Microsoft und die Schweizer Post ihre Patientenakten beziehungsweise Gesundheitsdossiers vor, die die Leistungserbringer – von Laboren über Ärzte und Apotheker bis zu Pflegekräften – miteinander vernetzen sollen. Damit Patienten in allen Einrichtungen eindeutig identifiziert werden können, hat IBM den Master-Patient-Index (MPI), die Patienten-Identifikationsnummer entwickelt, die jetzt in der Modellregion Basel/Lörrach ebenfalls zum Einsatz kommt. Und die Hersteller von Krankenhaus-Informationssystemen (KIS) arbeiten vor allem an Lösungen, die wichtige Informationen ständig für alle vernetzten Bereiche zugängig halten und dennoch den Datenschutz ausreichend berücksichtigen.

Neue Standards für die Schnittstellen, um verschiedene Systeme miteinander vernetzen zu können, seien übrigens nicht notwendig. Darauf wies Tony Schaller, technischer Projektleiter der IHE Suisse, in seinem Vortrag hin. Es gebe bereits ausreichend Schnittstellen. Daher räumte er auch gleich mit dem Vorurteil auf, die IHE wolle neue Schnittstellen definieren. Stattdessen arbeite die IHE daran, Anleitungen zu erschaffen, wie bestimmte Produkte implementiert werden können. In Testwochen, den sogenannten connect-a-thons, können Hersteller die Kommunikation ihrer Produkte mit denen anderer Hersteller testen. Probleme, die dabei auftauchen, können so behoben werden, ohne dass die Schwierigkeiten bei den Kunden auftauchen.

„Eine ehrliche Veranstaltung“
Wie reibungslose Kommunikation funktioniert, machten die Teilnehmer des eHealth Summit zwei Tage lang persönlich vor. Sowohl in den Konferenzräumen als auch an den Ständen zwischen den Sälen war reger Betrieb und Austausch zu beobachten. Entsprechend positiv zeigte sich Veranstalter Markus Gnägi mit der neuen Aufteilung der Konferenzsäle und Ausstellungsfläche. „Ich denke, wir haben unser Set-Up gefunden“, sagte Gnägi. Mit der Konferenz war er ohnehin sehr zufrieden: „Es war eine ehrliche Veranstaltung. Wir haben aufgehört zu träumen und uns der Realität gestellt. Dabei haben wir festgestellt, dass wir gar nicht so schlecht sind.“

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Sebastian Schnabel ist Journalist im Medienbüro Medizin (MbMed) und erstellt Textarbeiten für die Gesundheitsbranche.

Die Meinungen Artikel von HealthTech Wire analysieren wichtige Branchenereignisse.
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Swiss eHealth Summit 2011 - "eHealth - Wunsch und Wirklichkeit"
Swiss eHealth Summit 2011 - "eHealth - Wunsch und Wirklichkeit"
In zahlreichen Vorträgen wurde das Thema eHealth und IT in unterschiedlichen Kontexten diskutiert.
Veröffentlicht in GoDirect / Newspartner

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