"Auch mHealth profitiert von der Weisheit der Crowd"

PASS Group | IT-Systeme | 09.09.2014

(HealthTech Wire / Interview) - Viele mHealth-Anwendungen sind gut gemeint, halten aber im Alltag nicht, was sie versprechen. Eine systematische Validierung kann bösen Überraschungen bei der Kompatibilität oder der Usability vorbeugen. Dieter Speidel, Gründer und CEO der PASS Group mit Hauptsitz in der Schweiz, empfiehlt den Einsatz von Crowdtesting-Szenarien für eine schnelle und kosteneffektive Evaluierung und Validierung neuer mHealth-Lösungen.

Wie beurteilen Sie den europäischen mHealth-Markt?

Wir glauben, dass sich der mHealth Markt in einer sehr dynamischen Entwicklung befindet. Auch viele unserer Kunden und Partner bestätigen, dass hier eine große Welle im Anrollen ist. Wir stellen jedoch auch fest, dass in Bezug auf Themen wie regulatorischer Rahmen und Compliance, sowie Verifizierung und Validierung von mHealth-Lösungen noch eine gewisse Orientierungslosigkeit herrscht. Hier können wir mit unserem Angebot Abhilfe schaffen.

Was genau bietet PASS an?

PASS ist ein global agierendes Unternehmen, das sich als Anbieter von Managed Services für Verifizierung und Validierung auf das Testen von Medizingeräten, Software und IT-Applikationen spezialisiert hat und für führende Hersteller wie beispielsweise Cerner, Roche, Vancive Medical, Tecan, Qiagen tätig ist. Seit der Gründung vor 25 Jahren liegt unsere Schwerpunktkompetenz im Bereich Healthcare und Life Sciences. Wir bedienen unsere Kunden mit On-Site, Outsourced und Offshore Service. Im Jahr 2011 haben wir als zusätzliches, neues Angebot die Crowdtesting-Plattform Passbrains entwickelt, die wir jetzt auch auf dem Swiss eHealth Summit präsentierten. Um Passbrains herum bauten wir eine weltweite Community von Geräte- und Softwaretestern auf, der sowohl professionelle Tester als auch reine Anwender angehören. Dies ermöglicht uns, die Apps und Devices unserer Kunden rasch und umfassend zu evaluieren und zu testen, speziell hinsichtlich Usability, Funktionalität, Performance und Kompatibilität mit unterschiedlichen Mobilgeräten, Betriebssystemen, Browsern, die den Testern zur Verfügung stehen. Es gibt außerdem die Möglichkeit, bestehende Kunden der Hersteller in unsere Tests einzubeziehen. Für größere Kunden und für Reseller bieten wir unsere Plattform auch als Self-Service- bzw. White-Label-Lösung an.

Wie läuft ein solches Crowdtesting konkret ab?

Wir verfügen über sehr präzise Profil-Informationen von unseren Testern, von demographischen Angaben über detaillierte Daten zu den vorhandenen Mobilgeräten und PC-Konfigurationen bis hin zu persönlichen Informationen. Wenn ein Crowdtesting-Projekt durchgeführt werden soll, wählen wir aus unserem grossen Mitglieder-Pool die erforderliche Zahl an Testern aus und achten dabei auf die gewünschte geographische Verteilung, die passenden Gerätepopulationen und auf verschiedene andere Kriterien. Dies geht in der Regel sehr schnell, üblicherweise können wir innerhalb von zwei Tagen bis maximal einer Woche die passenden Tester identifizieren und engagieren. Die Testphase dauert im Falle von einfachen Apps 1-2 Wochen, bei komplexeren Systemen dann in der Regel 3-4 Wochen.

Welche mHealth-Applikationen haben Sie bereits einem Crowdtesting unterzogen?

Ein spannendes Beispiel ist eine Applikation aus dem Grenzbereich zwischen Medizin und Lifestyle bzw. Fitness. Es handelte sich um ein Produkt für das Bauchmuskeltraining, das die entsprechende Hardware mit einer mobilen App und einer cloudbasierten Plattform kombiniert. Der Hersteller möchte das System auch als Medizinprodukt anmelden. Bei solchen Anwendungen kann Crowdtesting extrem hilfreich sein, insbesondere um Kompatibilitätsprobleme mit den verschiedensten Mobilgeräten und Betriebssystemversionen aufzuspüren und das Produkt unter realen Anwendungsbedingungen in den verschiedensten Nutzungs-Szenarien zu testen und die Meinungen und Beurteilungen der Tester hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit einzuholen. Was auch häufig vorkommt, sind Crowdtesting-Aufträge für so genannte Health-Tracker, bei denen von einem mHealth Gerät gelieferte Sensordaten per Smartphone aufgezeichnet und visualisiert und in einer Cloud-Applikation gesammelt werden. Ganz aktuell gehen wir derzeit eine strategische Partnerschaft mit dem in Zürich ansässigen Unternehmen Biovotion ein, das genau ein solches System auf den Markt bringen wird. Wir übernehmen hier die komplette Validierungsverantwortung inklusive Crowdtests.

Für welche medizinischen App-Hersteller sind solche Tests besonders interessant?

Grundsätzlich gibt es da keine Ausschlusskriterien. Wir stellen über den Crowdprozess einerseits die Qualität und Plattformkompatibilität sicher, andererseits leisten wir einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Usability und der Performance. Das ist für jeden Hersteller relevant. Wir bieten auch Security-Testing Services an, da die Datensicherheit gerade bei bei medizinischen Apps, die mit sensitiven persönlichen Daten hantieren, natürlich besonders wichtig ist.

Wann sollte ein Hersteller von mHealth-Lösungen die Dienste von PASS in Anspruch nehmen, um den bestmöglichen Nutzen daraus zu ziehen?

Wenn es um die gesamte Verifizierungs- und Validierungsverantwortung geht, sollten wir möglichst früh hinzugezogen werden. Beim reinen Crowdtesting kommen wir meistens in der Betatest- und in finalen Testphasen zum Einsatz, um Kompatibilitäts- und Usability Tests durchzuführen, was auch Sinn macht da dies in internen Testlabors nur beschränkt möglich ist. Immer mehr Hersteller geben jedoch auch frühe Prototypen in den Test, um ein erstes Feedback über Usability und Design von den künftigen Anwendern zu bekommen. Unsere Empfehlung wäre, frühe Tests von Prototypen-Versionen mit einer kleinen Anzahl von Testern, gefolgt von weiteren, umfangreicheren Crowdtests in der Betaphase durchzuführen.

Wie adaptieren Sie Ihr Crowdtesting-Angebot auf die speziellen Bedürfnisse des mHealth-Marktes?

Eine Besonderheit im mHealth-Bereich ist, dass oft Hardware für die Tests benötigt wird, also beispielsweise mobile Mess- oder Analysengeräte. Diese werden den Testern in der Regel direkt vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Bei der Auswahl der Tester entwickelt sich aus unserer Sicht der Trend hin zu spezialisierten mHealth-Testern und Testern mit spezifischen Gesundheitsprofilen. So entstehen derzeit bei passbrains spezifische Patienten-Communities, um beispielsweise Diabetes-Apps und Systeme auch von realen Diabetes-Patienten testen lassen zu können. So wird es uns in Zukunft möglich sein, unsere Kunden auch entsprechende Services für Clinical Trials anzubieten.

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Bei Fragen kontaktieren Sie bitte Ploy Ersblad, ploy.ersblad@pass.ch

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"Rasch und umfassend evaluieren und testen."
"Rasch und umfassend evaluieren und testen."
Dieter Speidel ist Gründer und CEO der PASS Group
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