Versorgung muss menschlicher und sicherer werden - ohne „irgendwie“ und mit existierenden Werkzeugen

(HealthTech Wire / Interview) - Deutschlands Krankenhäuser im Jahr 2016, immer mehr Medien berichten über Missstände eines Systems, das den Ruf hat zu den besten der Welt zu zählen. Experten wissen, dass es Wege gibt, Qualität und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen zu bewältigen. Dr. Markus Vogel, Arzt und Chief Medical Officer bei Nuance erläutert, welche Möglichkeiten aktuelle Gesetzgebung und Industrie bieten, die Gesundheitsversorgung sicherer und besser zu machen.

Herr Dr. Vogel, als Arzt kennen Sie den Arbeitsalltag in deutschen Krankenhäusern. Zeichnen die Medien ein zu schwarzes Bild der Gesundheitsversorgung in Deutschland?

Das Bild ist nicht ganz falsch, leider. Doch ist es eben auch nur ein Ausschnitt, den wir nicht auf die komplette Gesundheitsversorgung in Deutschland übertragen dürfen. Aber eine wichtige Botschaft ist: Es gibt Handlungsbedarf. Zwischen der allgemeinen Wahrnehmung zur Qualität der Gesundheitsversorgung und dem, was die einzelnen Berufsgruppen und Patienten teilweise erleben, klafft eine riesige Lücke. Als praktisch tätiger Arzt und Beobachter bei Nuance versuche ich diese Lücke mit den Mitteln von Nuance zu schließen. Erst wenn klinische Dokumentation in Form einer sektorenübergreifenden Patientengeschichte verfügbar wird, dann wird Versorgung transparent. Dann erkennen wir schlechte Qualität und können Schwachpunkte in der Versorgung vermeiden.

Welche Verantwortung trägt der Gesetzgeber an der Situation der Krankenhäuser?

Wenn Patienten und auch Mitarbeiter in Kliniken schlecht behandelt werden, dann  hat die Qualitätssicherung versagt. Diese Verantwortung, Regeln und Qualität für die Gesundheitsversorgung vorzugeben, kann nur der Gesetzgeber übernehmen, unterstützt durch die ärztliche Selbstverwaltung. Wenn Krankenhäuser verpflichtet werden, in Form eines Public Reporting geeignete Qualitätsindikatoren online verfügbar zu machen, wie es beispielsweise für die Perinatalmedizin bereits der Fall ist, dann werden Missstände offensichtlich. Und da sind wir wieder am Punkt der Dokumentation. Qualität muss ausgewertet werden können. Doch wenn Ärzte in Krankenhäusern Fragebögen auf Papier ausfüllen müssen und an das Aqua Institut schicken, dann kann das nicht funktionieren. Als Arzt und überzeugter Anwender von IT-Werkzeugen inklusive Spracherkennung , kann ich nur unterstreichen wie wichtig es ist vorhandene Lösungen zu nutzen, um den Anforderungen im Gesundheitswesen Herr zu werden. Ich erhoffe mir einen Anschub durch das eHealth-Gesetz. Zwar lässt das Gesetz sehr viel Spielraum, aber es gibt Rahmenbedingungen vor.

Welche Möglichkeiten bietet das Gesetz, Qualität in der deutschen Gesundheitsversorgung zu halten beziehungsweise wiederherzustellen?

Transparenz ist beim Thema Qualität ein ganz entscheidender Punkt. Allen Behandlern muss deutlich werden, wie wichtig es ist, dass ihre Gedanken zum Patienten über den Einzelfall hinaus zur Verfügung stehen. Das erreichen wir nur mit einer Digitalisierung der Prozesse im Gesundheitswesen. Der Aufbau einer Telematik-Infrastruktur, wie sie durch das eHealth Gesetzt mitdefiniert wird, schiebt diese an.

Wie kann die Industrie dabei unterstützen?

Das Gesetz fordert unter anderem, dass die Komponenten und Dienste zur digitalen Kommunikation funktionsfähig, interoperabel und sicher sein sollen. Die Industrie wird ihre Produkte an diesen Vorgaben ausrichten. Und gleichzeitig ist es wichtig, dass wir diese Vorgaben haben, beispielsweise dann, wenn Sie mit einem Krankenhaus diskutieren, warum Google, Cortana und Siri anscheinend umsonst sind, medizinische Spracherkennung von Nuance hingegen nicht.

Was bedeutet es, dass ein System sicher ist?

Sicher bedeutet, es gibt kein „irgendwie“. Für einen sicheren Datenaustausch muss etwa geregelt sein, was in welcher Art und Weise von A nach B übermittelt wird, von welchem Gerät welcher Anwender dokumentiert und wer welche Dokumentation wann erhalten hat. Ist alles nachvollziehbar, dann haben wir Transparenz, können die Qualität steuern und Daten vor Missbrauch schützen. Nuance bietet seinen Kunden immer ein Konzept und die Infrastruktur für die Installation eines Spracherkennungssystems. Wichtig beim Thema IT-Konzept und Datenschutz ist zusätzlich die Anwenderfreundlichkeit. Zum Beispiel erhöht ein schneller Login-Prozess einerseits die Akzeptanz, elektronisch zu dokumentieren und verhindert andererseits, dass die Anwender eingeloggt bleiben und schlussendlich alle unter demselben Login dokumentieren.

Folglich lautet Ihre Argumentation: Um die Lücke zwischen einer guten und einer schlechten Behandlung zu schließen braucht es Spracherkennung?

Unter anderem. Krankenhäuser brauchen Personal und effiziente Technik, um in einem Gesundheitswesen, in dem perspektivisch nicht nur für die Leistung, sondern auch für die Qualität gezahlt werden wird, bestehen zu können. Viele Krankenhausketten optimieren zurzeit ihre Prozesse und medizinische Spracherkennung ist ein wesentlicher Baustein in diesem Kontext. Wenn Sie unmittelbar und konsequent das gesprochene Wort in einen Text umwandeln, entstehen ganz neue Prozessketten. Der Ansatz von Nuance ist perfekt, denn überall da, wo ein Cursor blinkt, kann Nuance einen Text hinliefern ohne tief in ein bestehendes System einzugreifen. Wenn Sie zur Anschaffung lediglich einen Sprachserver, Mikro und Cursor benötigen – oder noch nicht einmal ein Mikro – und damit schneller und vollständiger dokumentieren, dann würde ich meinen, lohnt sich eine genauere Betrachtung der Investition. Schließlich investieren Sie am Ende in den Ruf Ihrer Einrichtung, die Wirtschaftlichkeit der Versorgung, die Arbeitszeit der Mitarbeiter und in das Wohl des Patienten.

Welche Möglichkeiten Ihnen medizinische Spracherkennung heute bietet  und welche Daten in einer randomisiert kontrollierte Studie zum Einsatz von Spracherkennung im Krankenhaus erhoben wurden, zeigt Nuance Ihnen in einem Webinar am 17. März um 15:00-15:45 Uhr.
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„Erst wenn klinische Dokumentation in Form einer sektorenübergreifenden Patientengeschichte verfügbar wird, dann wird Versorgung transparent.“
„Erst wenn klinische Dokumentation in Form einer sektorenübergreifenden Patientengeschichte verfügbar wird, dann wird Versorgung transparent.“
Dr. Markus Vogel ist Arzt und Chief Medical Officer bei Nuance Healthcare
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  • Webinar "Klinische Dokumentation in Form der Patientengeschichte verfügbar machen - ohne „irgendwie“ und mit existierenden Werkzeugen": 17. März 2016 um 15:00-15:45 Uhr. Melden Sie sich hier an!