Interview: „Wir müssen die Dinge persönlich nehmen“

(HealthTech Wire / Interview) – Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Im April dieses Jahres gab Janet Dillione ihre Ernennung als Executive Vice President und General Manager von Nuance Healthcare bekannt. Nuance wurde von allen Seiten für diese Personalentscheidung beglückwünscht. Frau Dillione sei ein “echtes Juwel“ schrieb Health Data Management und sie gelte in den USA als eine der „Top-25 Women in Healthcare“ (Modern Healthcare). Janet Dillione soll bei Nuance die Art und Weise verändern, wie Gesundheitseinrichtungen die medizinische Dokumentation erstellen, austauschen und verwenden. Im Gespräch mit HealthTech Wire sagt Dillione, dass Hersteller von Health-IT Lösungen liefern müssen, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann, denn schließlich steht am Ende der Kette immer der Patient. Und in diesem Punkt nimmt sie die Dinge sehr persönlich.

Frau Dillione, Sie leiteten zuletzt Siemens Health Services – ein globales IT Unternehmen. Jetzt leiten Sie mit Nuance Healthcare den Anbeiter einer Nischenproduktes. Was ist der Unterschied?

Ich sehe uns nicht als Hersteller von Nischenprodukten. Wir haben eine Technologie, die es ermöglicht, in einem wichtigen und schwierigen Bereich des Gesundheitswesens einen Mehrwert zu realisieren, nämlich im Bereich der medizinischen Dokumentation. Als ich bei Nuance anfing haben mir besonders das Engagement für Innovation, die hochwertigen Produkte und der weltweite Service in diesem Bereich sehr zugesagt. Ich glaube, das wird in diesem Punkt die Gesundheitsversorgung entscheidend beeinflussen.
 
Die Vision von Nuance ist es, dass jedes Krankenhaus eine Infrastruktur für Spracherkennung hat. Aus Ihrer globalen Perspektive, wie nah sind wir diesem Ziel?

Das ist in jedem Land unterschiedlich. In einigen Ländern wird der Einsatz von medizinischen Informationslösungen durch Spracherkennung sehr stark gefördert. Wir haben ein enormes Wachstum auf dem nordamerikanischen Markt beobachtet – innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der Ärzte, die Dragon Medical anwenden, von 25.000 auf mehr als 150.000 gestiegen! In Norwegen haben wir bei der krankenhausweiten Nutzung von SpeechMagic eine Marktdurchdringung von 80%. Die hausweite Anwendung steigt in Nordeuropa und in den USA, und zwar sowohl im ambulanten als auch im klinischen und stationären Bereich. Aber global gesehen stehen wir immer noch am Anfang. Wir werden und daher voll darauf konzentrieren den krankenhausweiten Einsatz von Spracherkennung innerhalb der medizinischen Informationssysteme zu forcieren.

Sind staatliche oder private Gesundheitssysteme adaptionsfreudiger?

Beide müssen ihre Gesundheitsausgaben in den Griff bekommen. In den USA liegen diese bei 14% des BIP; in der EU darunter – aber auch hier verursachen die Gesundheitsausgaben den größten Kostenanstieg der Staatshaushalte. Im Laufe meiner Karriere habe ich schon in Nordamerika, Europa und Asien gearbeitet und ich kann sagen, dass es kein Land gibt, das seine Effizienz im Gesundheitswesen nicht steigern muss. Da der Einsatz von Spracherkennung zum effizienteren Umgang mit begrenzten Ressourcen und zu einer qualitativen Prozessverbesserung führt, profitiert jedes System davon – egal ob staatlich oder privat.

Also spielt der Kostendruck eine wichtige Rolle, damit Spracherkennung eingesetzt wird?

Der Kostendruck führt dazu, dass die Effizienz gesteigert werden muss; und dies erfolgt durch die Qualitätssteigerung der medizinischen Leistung mithilfe von IT. Wir sind mit der Spracherkennung also in gewisser Weise von der Adaption medizinischer Informationssysteme abhängig und der Bereitschaft der Leistungsträger diese Systeme ihren Mitarbeitern bereitzustellen. Darauf reagieren wir mit Sprachlösungen, die sehr einfach zu implementieren und zu handhaben sind.

Können Krankenhäuser durch den Einsatz von Spracherkennung auch die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern?

Nehmen Sie beispielsweise einen Radiologiebefund. In manchen Ländern dauert seine Erstellung Wochen. Setzt man Spracherkennung ein, dauert sie Minuten. Das ist ein Riesenvorteil – sowohl für die Zuweiser als auch für die Patienten. Aber auch bei einem Arztbrief wirkt sich Spracherkennung aus; die Dokumentation wird klarer, einheitlicher und genauer. Daher ein deutliches „Ja“: Die Qualität der medizinischen Versorgung kann durch Spracherkennung gesteigert werden. Das ist ein sehr wichtiger Punkt.

In den USA gibt es finanziellen Anreize für den Einsatz elektronischer Patientenakten (ePA). Wirken sich diese auch auf den Einsatz von Spracherkennung aus?

Manche Länder versuchen mit Belohnungen den Einsatz von ePAs zu fördern, während andere die harte Schiene fahren. In den USA haben sie sich für ein staatliches Rückvergütungssystem entschieden. Und das hat zu einem Paradigmenwechsel geführt: Es geht nicht mehr um die Implementation von IT, sondern darum, dass die Ärzte die vorhandenen Systeme auch anwenden. Und Spracherkennung fördert ganz massiv deren Anwenderfreundlichkeit – und das spiegelt sich ganz klar in der stark steigenden Zahl der Benutzer wider. In den USA ist man sich mittlerweile sehr bewusst, dass IT ein wichtiges Werkzeug zur Qualitätssteigerung im Gesundheitswesen ist.

Die Forderung nach mehr Qualität gilt auch für die Hersteller…

Wir müssen die Dinge persönlich nehmen, da am Ende der Kette immer ein Patient steht und dieser Patient könnte jeder von uns oder jemand aus unserer Familie sein. Qualität hat daher höchste Priorität. Wir müssen qualitativ erstklassige Spracherkennungssysteme anbieten, damit Ärzte und Krankenhauspersonal Zeit haben, das zu machen, was sie am besten können – die Patienten zu versorgen. Das Kredo lautet: einfache Implementation, Anwendung und Support. Und vor allem: uneingeschränkte Betriebssicherheit. Unser Maßstab soll ein Unfallmediziner sein, der sich während eines Notfalls auf unsere Software verlassen kann – und zwar auf seinem mobilen Gerät.

Ihre Integrationspartner, inklusive dem Unternehmen, in dem Sie früher gearbeitet haben, verwenden Nuance Produkte, um ihre IT Lösungen mit Spracherkennung auszustatten.

Ja, richtig. An dieser Stelle möchte ich mich bei ihnen für Ihre Zusammenarbeit mit Nuance bedanken – speziell für ihre Arbeit in Europa, wo viel länderspezifisches Know-how gefragt ist. Eine meiner ersten Aufgaben bei Nuance war es, die Messlatte im Bezug auf die Leistungen für unsere Partner noch höher zu legen. Ich nehme es sehr ernst, dass sie ihre Marke in die Hände von Nuance legen und bedanke mich für ihr Vertrauen.

Wo sehen Sie Nuance Healthcare in drei Jahren?

Nuance Healthcare sollte als eine wichtige Komponente für eine erfolgreiche medizinische Versorgung mit Hilfe von IT gesehen werden. Wir sind eine globale Marke, der man vertraut und die dafür steht, die Dokumentation von medizinischem Personal – sowohl von Ärzten als auch von Pflegekräften – klarer, einheitlicher und genauer zu gestalten. Letztendlich können wir uns glücklich schätzen, dass wir eine Technologie anbieten, die für unsere Kunden auch noch äußerst rentabel ist: Investitionen in Spracherkennung amortisieren sich sehr schnell – in den meisten Fällen schon innerhalb eines Jahres.

Frau Dillione, vielen Dank für das Gespräch. (HTW)

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Quelle: HealthTech Wire für Nuance Healthcare