GARMISCH-PARTENKIRCHEN, DE - (HealthTech Wire / News) - In Deutschland arbeiten erfolgreich eine Reihe telemedizinischer Netzwerke. Allerdings sind die in der Regel regional begrenzt und/oder lediglich auf eine Fachdisziplin bzw. Fragestellung ausgerichtet. Anders sieht es bei ALIAS aus, einem universellen, multidisziplinären Telemedizinprojekt, an dem sich acht Krankenhäuser in fünf Ländern des Alpenraumes beteiligen.
- Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist eines von acht Krankenäusern, das sich am Telemedizinprojekt ALIAS beteiligt
- Projekt erhielt von Europäischer Union den Zuschlag für "Zugang und Vernetzung im Alpenraum" im Förderzeitraum 2009 bis 2012
- „Die beteiligten Partner möchten im Projekt den Zugriff auf Behandlungsunterlagen im Ausland sicherstellen und eine Möglichkeit schaffen, auf elektronischem Weg eine Zweitmeinung von Experten einzuholen.“
Jedes Jahr unterstützt die Europäische Union im Rahmen des Förderprogrammes INTERREG Projekte zu definierten Themenbereichen für die verschiedenen Regionen. Die Projekte haben in der Regel eine Laufzeit von drei Jahren. Ziel ist die Entwicklung von Städten und Regionen durch eine europäische Zusammenarbeit.
Unter der Federführung der Region Lombardei erhielt das Projekt ALIAS den Zuschlag für "Zugang und Vernetzung im Alpenraum" im Förderzeitraum 2009 bis 2012 . Die Projektbezeichnung steht für ALpine Hospitals Networking for Improved Access to Telemedicine Services. Im Rahmen der Zusammenarbeit soll die telemedizinische Versorgung von Krankenhäusern im Alpenraum verbessert werden. Die Eingrenzung ist der Tatsache geschuldet, dass durch die geringere Bevölkerungsdichte eine telemedizinische Zusammenarbeit drängender ist als in Ballungsräumen.
Auf Vermittlung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Umwelt nimmt das Klinikum Garmisch-Partenkirchen an ALIAS teil. „Zusammen mit Einrichtungen aus Österreich, Italien, Frankreich, Slowenien und dem nicht-EU-Partner Schweiz haben wir in der ersten Projektphase an der Definition konkreter Anwendungsszenarien und der Ausarbeitung der damit verbundenen Services gearbeitet“, erläutert IT-Leiter Dr. Thomas Schmeidl. Dies mündete in der Programmierung einer sicheren Kommunikations-Plattform (ACS = ALIAS Central System) sowie dem Abschluss eines Circle-of-Trust-Vertrages. Nachdem dies abgeschlossen ist, starten die Teilnehmer in die einjährige Pilotphase des Projektes. „Hier werden das Testsystem in die Routine überführt und reale Daten zu konkreten Fragestellungen ausgetauscht“, so Dr. Schmeidl. Seiner Meinung nach kann die aufgebaute technologische Plattform später Modellcharakter für den standardisierten Datenaustausch in regionalen Netzwerken haben.
Datenaustausch für Zweitmeinung und Weiterbehandlung
„Die beteiligten Partner möchten im Projekt zum einen den Zugriff auf Behandlungsunterlagen im Ausland sicherstellen und zum anderen eine Möglichkeit schaffen, auf elektronischem Weg eine Zweitmeinung von Experten einzuholen“, beschreibt der IT-Leiter die konkreten Anwendungen von ALIAS. Plant künftig beispielsweise ein chronisch kranker Patient aus der Region einen längeren Aufenthalt im Ausland, kann er reibungslos in einem angeschlossenen Krankenhaus weiter versorgt werden. Dieses hat mit Einverständnis des Patienten Zugriff auf seine entsprechenden Unterlagen und sendet eigene Aufzeichnungen an die Behandler im Heimatland zurück. Damit ist die Vollständigkeit der Dokumentation und Krankenakte gewährleistet.
„Häufiger werden wir aber wohl die Zweitmeinung eines Experten zu komplizierten oder unklaren Fragestellungen aus einem der beteiligten Krankenhäuser einholen“, glaubt Dr. Schmeidl. Der Ablauf ist dabei standardisiert: Die Anfrage wird an ALIAS gestellt, als Antwort kommt eine Übersicht aller Krankenhäuser im Netzwerk, die einen Experten vorhalten. Nachdem eine Klinik ausgewählt wurde, werden die notwendigen Unterlagen versandt und an einen Spezialisten zur Konsultation weitergeleitet. Sind Rückfragen nötig, können diese per ACS oder via integriertem Video-Conferencing gestellt werden.
„Das Besondere an ALIAS ist, dass die Anfrage immer an ein Krankenhaus bzw. eine Fachabteilung gestellt wird, nicht an eine Einzelperson, was die Erreichbarkeit erhöht. Die Empfänger werden elektronisch per SMS oder Mail bei Eingang der Unterlagen informiert. Zusätzlich unterstützen im System hinterlegte Service Levels die Bearbeitung. Es können beliebig große Datenmengen sicher ausgetauscht werden können. Das System bietet dabei stets eine fallbezogene Darstellung, in der die gesamte Kommunikation mit allen Dokumenten und Bildern zu einer Anfrage bzw. zu einem Patienten zusammengefasst wird" skizziert Dr. Schmeidl einige Vorteile des Verfahrens.
Bis zum Projektschluss Ende 2012 sollen die Kommunikationswege etabliert, neue Partner gewonnen und zur Darstellung von DICOM-Bildern ein spezieller Viewer in die Plattform integriert werden.
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Quelle: Klinikum Garmisch-Partenkirchen GmbH
