Wie Software die Gesundheit fördert

BERLIN, DE - (HealthTech Wire / News) - Software statt Tabletten? Klingt schräg, enthält aber ein Körnchen Wahrheit: Moderne IT-Lösungen können im Gesundheitswesen nicht nur die Patientenversorgung im Krankenhaus effektiver machen. Sie können auch dazu beitragen, Krankheiten gezielt vorzubeugen oder Komplikationen zu verhindern. Anschauungsmaterial liefert die conhIT 2009 vom 21. bis 23. April in Berlin, bei der viele der 170 Aussteller auch präventive Konzepte im Angebot haben.

Zunehmend an Fahrt gewinnt beispielsweise die Verhinderung von Arzneimittelkomplikationen mit Hilfe intelligenter Arzneimitteldatenbanken. Aus internationalen Studien ist bekannt, dass bis zu einem Drittel aller vermeidbaren unerwünschten Ereignisse in medizinischen Einrichtungen auf Medikamente entfallen. Hier kann der Computer helfen. "So unmöglich es ist, die Telefonauskunft einer Großstadt auswendig zu bestreiten, so unmöglich ist es für den Arzt, alle problematischen Arzneimittelkonstellationen im Kopf zu haben", betont Professor Daniel Grandt von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzte. Das bundesweite Aktionsbündnis Patientensicherheit fordert deswegen schon seit einiger Zeit einen stärkeren Einsatz elektronischer Verordnungsunterstützung in medizinischen Einrichtungen. Auch die Bundesregierung ist aktiv und hat kürzlich den "Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit" ins Leben gerufen.

Arzneiverordnung: Kollege Computer denkt mit!

Wie Computer bei der Arzneimittelverordnung konkret helfen können, kann bei der conhIT 2009 in Augenschein genommen werden. So stellt das Unternehmen ifap seine Lösung i:fox vor, mit der die Arzneimitteltherapiesicherheit bei niedergelassenen Ärzten durch die automatische Überprüfung von Interaktionen und Kontraindikationen verbessert werden kann. Vor allem an Kliniken richtet sich das Unternehmen RpDoc mit seiner gleichnamigen Software. Ein spezielles Feature ist hier ein SMS/E-Mail-Service, der den Arzt prompt informiert, wenn sich Laborwerte relevant verändern. Der Clou: Das Programm zeigt zusätzlich an, welche Arzneimittel für die entsprechende Veränderung der Laborwerte verantwortlich sein könnten. Allein dadurch könne die durchschnittliche Verweildauer eines Patienten im Krankenhaus um einen halben Tag verkürzt werden, so das Unternehmen.

Gesundheitsakten: Fit und sicher durchs Leben

Präventive IT-Lösungen können aber auch wesentlich früher ansetzen, wie das Beispiel der elektronischen Gesundheitsakten zeigt. Diese "Datentresore" im Internet halten medizinisch relevante Daten stets parat. So kooperiert zum Beispiel der conhIT-Aussteller InterComponentWare seit Neuestem bei seiner Lösung LifeSensor mit dem Centrum für Reisemedizin (CRM) Düsseldorf. "Trotz bester Vorbereitung kann jeder unterwegs plötzlich krank werden oder einen Unfall erleiden. Und dann ist die schnelle Information über Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme unter Umständen lebensrettend. Wir empfehlen daher den Einsatz elektronischer Gesundheitsakten zur Erhöhung der Sicherheit unterwegs", erläutert CRM-Geschäftsführer Lothar Münnix.

Auch Krankenversicherungen erkennen zunehmend das präventive Potenzial von elektronischen Gesundheitsakten. So bietet die Barmer Ersatzkasse seit einiger Zeit ihren Versicherten in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen T-Systems einen mobilen Fitnessdienst an, bei dem fitnessrelevante Daten über ein Handy an ein Webportal übermittelt werden. Und in Österreich hat die Wiener Städtische Versicherung gerade eine Online-Gesundheitsakte mit integriertem Fitnessmanager ins Programm genommen. Solche Lösungen geben einen Überblick über Kondition und Trainingserfolg. Und sie helfen den Versicherten, bei der Prävention am Ball zu bleiben.

Telemedizin: Informationsbedürfnis soll besser gedeckt werden

Der Prävention verschrieben haben sich schließlich auch die mittlerweile zahlreichen Anbieter telemedizinischer Lösungen, die darauf abzielen, bei Menschen mit chronischen Erkrankungen schwere Komplikationen zu verhindern. Auch hier sind die deutschen Krankenkassen stark engagiert. In der Bevölkerung, aber auch bei vielen Leistungserbringern, ist das Wissen um die neuen Möglichkeiten allerdings noch lückenhaft. Helfen können gezielte Informationsangebote: So stellt das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ztg) bei der conhIT die vom Land Nordrhein-Westfalen und von der EU initiierte Plattform telemedizin24.de vor, die sich als zentrale Anlaufstelle für professionelle Informationen zur Telemedizin etablieren möchte. Ohne gute Informationen geht eben auch im Informationszeitalter nichts.