Interview: Digitales Dokumentenmanagement ohne Spracherkennung nur eine halbe Sache

(HealthTech Wire / Interview) - Am Schwarzwald-Baar-Klinikum (SBK) in Villingen-Schwenningen steht nach einer Erneuerung des Krankenhausinformationssystems (KIS) der Übergang zu einer komplett digitalen Klinikdokumentation an. Für den Ärztlichen Direktor der SBK, den Radiologen Professor Dr. Ulrich Fink, ist der Einsatz von moderner Spracherkennung ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg dieses Projekts.

In Ihrer Radiologie ist die digitale Dokumentation unter Einsatz von Spracherkennung bereits seit vielen Jahren Standard. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

In der Radiologie machen wir mittlerweile wirklich alles elektronisch. Wir setzen dort keine einzige Schreibkraft mehr ein. Jeder Befund wird mit Spracherkennung erstellt und dann vom Befunder sofort fertig gestellt. Anders könnten wir die 400 bis 500 Befunde, die wir täglich fertig stellen müssen, gar nicht bewältigen.

Die Radiologie des SBK Villingen-Schwenningen erstreckt sich über mehrere Häuser. Wie sieht die Umsetzung der Spracherkennung bei Ihnen konkret aus?

Wir haben in Schwenningen 17,5 radiologische Arztstellen in drei Betriebsstätten und nutzen eine standortübergreifende Installation der Spracherkennung. Das ist ein großer Vorteil. Damit wird es nämlich möglich, dass die Ärzte eines Standorts die Kollegen an einem anderen Standort beim Diktieren unterstützen, wenn dort Not am Mann ist. Gerade in der Urlaubszeit wird das relativ häufig gemacht. Damit können wir unser Ziel, sämtliche Befunde innerhalb von zwei Stunden fertig zu haben, auch dann erreichen, wenn die Personaldecke einmal etwas dünner ist.

Sie haben an Ihrem Krankenhaus gerade ein neues KIS angeschafft und wollen jetzt das digitale Dokumentenmanagement auf weitere Abteilungen ausdehnen. Welcher Stellenwert könnte der Spracherkennung bei diesem Projekt zukommen?

Wir haben vor einem halben Jahr das KIS Orbis von Agfa Healthcare krankenhausweit eingeführt und damit IT-seitig die Grundlage für ein modernes digitales Dokumentenmanagement in allen Abteilungen geschaffen. Das werden wir jetzt auch angehen. Aus meiner Sicht ist die Spracherkennung der alles entscheidende Faktor, um dieses Projekt zum Erfolg zu führen. Denn mit ihr geht das Erstellen von Dokumenten global gesehen einfach am schnellsten.

Schneller als mit Textbausteinen?

Das schließt sich ja nicht aus. Natürlich können Textbausteine für eine schnelle Befunderstellung sehr hilfreich sein. Das geht aber nur in bestimmten Bereichen, etwa in der Mammographie oder bei der CT-gesteuerten Schmerztherapie. Dort setzen auch wir Radiologen Textbausteine auch ein. Wenn es aber darum geht, einen individuellen Befund zu verfassen, hat die Spracherkennung große Vorteile.

Was können die anderen Abteilungen bei der Digitalisierung des Dokumentenmanagements von der Radiologie lernen?

Wenn wir über die Radiologie hinausgehen, steigt die Zahl der zu erstellenden Formulare zwangsläufig an. Und hier lautet die Lehre aus der Radiologie: Es sollte möglich sein, direkt in die Formulare hinein zu diktieren. Erst dann wird sich eine breite Akzeptanz einstellen. Hier sind natürlich in erster Linie die Unternehmen gefordert, das entsprechend umzusetzen. Mit unserem KIS-Umstieg haben wir anwenderseitig eine wichtige Voraussetzung geschaffen. Die Diktieroption für unsere diversen Formulare wird von Nuance und Agfa jetzt umgesetzt. Das läuft.

Welche organisatorischen Herausforderungen stellt das digitale Dokumentenmanagement an ein Krankenhaus?

Insgesamt können wir feststellen, dass die Dokumentation in modernen Krankenhäusern immer wichtiger geworden ist, nicht nur klinisch, sondern vor allem auch für die Abrechnung, Stichwort DRG-System. Da macht es durchaus Sinn, über neue Berufszweige wie Stations- oder Codierassistenten nachzudenken, die den Ärzten und dem Pflegepersonal Bürokratie abnehmen und gleichzeitig die Qualität der Dokumentation verbessern. Die entscheidende Frage ist: Wovon sollen diese neuen Mitarbeiter bezahlt werden? Und hier hat die Spracherkennung eine Antwort parat: Spracherkennung reduziert die Zahl der Schreibkräfte. Hier wird demnach Personal frei, das an anderer Stelle, etwa als Stationsassistenz, eingesetzt werden kann. Die gestiegenen Anforderungen an die Dokumentation können also ohne zusätzliches Personal bewältigt werden – und das bei gleichzeitiger Entlastung der Ärzte von bürokratischen Codier-Tätigkeiten.

Professor Dr. Fink, vielen Dank für das Gespräch. (HTW)

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Quelle: HealthTech Wire für Schwarzwald-Baar Klinikum Willingen-Schwenningen GmbH

Professor Dr. Ulrich Fink, Ärztlicher Direktor der SBK
Professor Dr. Ulrich Fink, Ärztlicher Direktor der SBK
Für den Ärztlichen Direktor der SBK, den Radiologen Professor Dr. Ulrich Fink, ist der Einsatz von moderner Spracherkennung ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg dieses Projekts.
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