(HealthTech Wire/ Interview) - Wie kann man dem Arzt wieder mehr Zeit für das Wesentliche - die Heilung von Patienten - geben? Durch den Einsatz von zuverlässigen IT-Werkzeugen in der medizinischen Dokumentation, sagt Daniel Diekmann, Geschäftsführer der Berliner ID GmbH und & Co. KGaA im Gespräch mit HealthTech Wire. Sein Unternehmen schaut dabei „über den Tellerrand“ hinaus und bindet gezielt Dritttechnologien, wie Spracherkennung ein – solange diese einen Beitrag zur Behandlungs- und Ergebnisqualität leisten.
ID-Berlin entwickelt „Qualitätswerkzeuge für die medizinische Dokumentation“. Was für Werkzeuge sind das?
Ärzte müssen heute Unmengen von Wissen und Informationen bearbeiten, strukturieren und auswerten – dazu benötigen sie professionelle Werkzeuge, auf die sie sich absolut verlassen können.
Die Dokumentationssoftware ID DIACOS®, die in mehr als 1.000 Kliniken im deutschsprachigen Raum im Einsatz ist, ist so ein Werkzeug. Damit können Ärzte schnell und zuverlässig die Codierung erledigen. Die Module ID DIACOS® PHARMA und ID PHARMA CHECK® dokumentieren nicht nur die Arzneimittelverordnungen sondern prüfen diese anhand der Diagnosen und Prozeduren auf Indikation, Kontraindikation und unerwünschte Arzneimittelwirkung. Mit dem Analysetool ID EFIX® steht eine Lösung für den Medizin-Controller zur Verfügung, die ein valides Erlös- und Kostencontrolling bereitstellt. Ziel unserer Tätigkeit ist durch eine qualifizierte medizinische Dokumentation einen Beitrag zur Behandlungs- und Ergebnisqualität zu leisten.
Welche Herausforderungen gilt es im Bereich der medizinischen Dokumentation zu bewältigen?
Gesundheitseinrichtungen sind zu Wirtschaftsunternehmen geworden. Wenn eine Klinik nicht rentabel ist, droht die Schließung. Um erbrachte Leistungen korrekt abzurechnen, ist eine lückenlose, korrekte Dokumentation unabdingbar. Allerdings wird die Dokumentation und Codierung von Ärzten eher als Belastung empfunden, die sie von ihrer eigentlichen Arbeit abhält. Deshalb müssen zukünftige Lösungen dazu beitragen, dass im administrativen Bereich eine Zeitersparnis, z.B. bei der Erstellung von Dokumenten, erreicht wird.
Wie kann man dazu durch Informationstechnik beitragen?
Eine Diktierlösung, die eine Kombination aus Spracherkennung und Terminologieserverdiensten enthält ist so eine Möglichkeit. Daran arbeiten wir aktuell mit Philips. Unsere Anwendungen sind so konzipiert, dass sie einen schnellen Zugriff auf das jeweils relevante Wissensgebiet ermöglichen. Indem wir diese Anwendungen mit Spracherkennung verbinden, können wir bereits während der mündlichen Informationserfassung Inhalte generieren, die über semantische Verknüpfungen das Kontextwissen verfügbar machen. So kann etwa die Codierung automatisiert werden.
Durch den Einsatz unserer Standardterminologie ID MACS® – medical semantic network ist es außerdem möglich, auf einer einheitlichen Plattform unterschiedliche Gesundheitssysteme abzubilden.
Warum ist eine standardisierte Sprache so wichtig?
Standardisierung ist für eine einheitliche Kommunikation, zukünftig auch multilingual, unabdingbar. Die ICD-10, welche eine international einheitliche Identifikation von Krankheiten sicherstellt, ist ein Beispiel hierfür. Durch ICD-10 sind Diagnosen eindeutig – egal in welcher Sprache. Eine standardisierte Terminologie ist auch die Grundlage, um die medizinische Dokumentation indirekt über bereits existierende Befunde oder Arztbriefe zu extrahieren, z.B. mit Hilfe von Terminologieserverdiensten.
Was haben wir als Patient von alldem?
Der Arzt hat wieder Zeit für das Wesentliche, die Heilung von Patienten. Zudem wird der Patient derzeit oft nur unzureichend informiert. Durch die neuen Qualitätsstandards kann er sich beispielsweise bereits im Vorfeld einen Überblick über eine geeignete Klinik machen. Durch die angesprochenen Qualitätssteigerungen in der Dokumentation werden Behandlungs-, Medikations- oder Dosierungsfehler vermieden oder zumindest stark verringert. Und das bekommt der Patient sprichwörtlich am eigenen Leib zu spüren.
Was denken Sie, werden die bestimmenden zukünftigen Themen im Bereich der medizinischen Dokumentation sein?
Eine stetige qualitative Verbesserung der Behandlungsprozesse wird weiterhin ein großes Thema sein. Besonders im Bereich Behandlungsqualität und Arzneitherapiesicherheit (AMTS) werden die Anforderungen zunehmen. Ziel war in der Vergangenheit die Standardisierung, vor allem in der Abrechnung. Dies wird in Zukunft weiterhin so seine, zusätzliche Dimensionen werden im Bereich Wissensmanagement, Pfadsteuerung oder Informationsextraktion erschlossen. Ebenso ist es natürlich auch immer wichtig die Kosteneffektivität zu erhöhen und die Patientenzufriedenheit zu verbessern.
Herr Diekmann, wir danken herzlich für das Gespräch. (AS)
ID Berlin und Philips Speech Recognition Systems werden gemeinsam am Hauptstadtkongress - Berlin, 04.06. bis 06.06.2008, Stand der Gesundheitsregion Berlin/ Brandenburg im Mittelfoyer - ihre Lösungen präsentieren.

