(HealthTech Wire / Interview) - HIMSS Analytics Europe bewertet die Implementierung von IT-Anwendungen in europäischen Krankenhäusern. Uwe Buddrus, Managing Director von HIMSS Analytics, spricht über das Einführungsmodell für elektronische Patientenakten (EMR Adoption Model) für die Bewertung von Einführung und Nutzung informationstechnischer Anwendungen in den Krankenhäusern Europas.
Warum sollte ein Krankenhaus an einer Bewertung durch HIMSS Analytics teilnehmen?
Das Gesundheitssystem hat derzeit mit knappen personellen und finanziellen Ressourcen zu kämpfen, Transparenz bezüglich der anfallenden Kosten und der entstandenen medizinischen Behandlungsqualität wird somit immer wichtiger. Daneben werden klinische Prozesse zunehmend durch den Einsatz von Computern unterstützt, um die Informationslogistik fortlaufend zu optimieren, mit dem Fokus eines papierlosen Behandlungspfads. Diese Aktivitäten unterstützt und fördert HIMSS Analytics Europe. Wir generieren Benchmarks zum Stand der Einführung von Krankenhaus-IT. Dabei orientieren wir uns am Einführungsmodell für elektronische Patientenakten (EMRAM - Electronic-Medical-Record-Adoption Model). Das Model unterstützt Krankenhausleiter, IT-Verantwortliche und Ärzte, die Fortschritte bei der Einführung von Informationstechnologien anhand von acht Stufen (0 bis 7) zu bemessen und mit anderen Einrichtungen zu vergleichen.
Die Teilnahme an der Studie ist für Krankenhäuser kostenlos und mit relativ geringem Aufwand verbunden. Für die Bereitstellung der Daten, erhalten die Teilnehmer Zugang zu unserer Datenbank mit individuell konfigurierbaren Benchmarking-Reporten und einem nationalen Marktüberblick. Die Krankenhäuser bekommen so datengestützte Entscheidungshilfen zu IT-Investitionsfokus, Ressourcenplanung (IT-Budget, IT-Personal) und IT-Anbieterauswahl. Auf der Grundlage der erhobenen Daten erlaubt das EMRAM die Identifikation von Best-Practice-Fällen für alle Krankenhäuser. Statt sich an den bekannten führenden Häusern allein zu messen, kann sich beispielsweise ein mittelgroßes Haus der allgemeinen Akutversorgung mit ähnlichen Häusern vergleichen. Die Fortschritte der führenden Krankenhäuser bei der Implementierung von IT können öffentlich mit einer Auszeichnung anerkannt werden.
Lassen sich die Krankenhäuser der verschiedenen europäischen Länder in ein solches Modell einordnen, trotz der unterschiedlichen nationalen Rahmenbedingungen?
Das EMRAM bewertet den Fortschritt von Krankenhäusern zur Schaffung einer Umgebung für die papierlose elektronische Patientenakte. Dabei folgt es einem generischen, stufenweisen Ansatz, der grundsätzlich in jedem Gesundheitssystem anwendbar ist. Nationale Rahmenbedingungen können dazu führen, dass bestimmte Anwendungen, wie zum Beispiel elektronische Mediakamentenverschreibungs-systeme, früher als andere implementiert werden. Das entbindet ein Krankenhaus jedoch nicht von der Notwendigkeit, dafür die geeigneten Rahmenbedingungen in der IT-Landschaft zu schaffen. Beispielsweise kann die computerbasierte klinische Entscheidungsunterstützung nur so gut sein, wie die Patientendaten vollständig und aktuell in elektronisch verwertbarem Format vorliegen.
Wo liegt der Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Modell?
Obwohl das europäische EMRAM auf dem Konzept des amerikanischen Modells beruht wurde es doch speziell für den europäischen Markt entwickelt. Es wurden die Skalierung in acht Stufen und die Art des Scorings übernommen. Inhaltlich orientiert sich das Modell aber in wichtigen Aspekten an den Gegebenheiten und Entwicklungen in Europa.
HIMSS Analytics Europe wurde vergangenen Sommer gegründet, was hat sich seitdem getan und was dürfen wir erwarten?
Im vergangenen Jahr haben wir das EMRAM in enger Zusammenarbeit mit europäischen CIOs entwickelt und ausführlich getestet. Auf dem ersten Europäischen Health IT Leadership Summit von HIMSS Ende September in Rom wurden erstmals drei europäische Krankenhäuser für die Fortschritte bei der Implementierung von IT-Anwendungen ausgezeichnet, mit dem „Stage 6 Award“. Gegenwärtig arbeiten wir an der Gewährleistung der mehrsprachigen Datenerfassung, um mit der fortlaufenden Datenerhebung in 13 europäischen Ländern zu beginnen. Im Mai werden wir im Rahmen der eHealth Week in Budapest das Leaders in Health IT Symposium ausrichten. In vier Sessions werden hochrangige Vertreter aus verschiedenen europäischen Krankenhäusern sowie politischen Institutionen und Organisationen Key Learnings zur erfolgreichen Implementierung von Informationstechnologien vermitteln.
Wann werden die nächsten Ergebnisse des Ranking veröffentlicht?
Die nächsten Ergebnisse werden im Mai in Budapest im Rahmen der eHealth Week veröffentlicht. Ich kann aber schon so viel sagen, dass es derzeit vier weitere Kandidaten für den Stage 6 Award gibt. Aktuell arbeiten wir an der ersten europäischen Validierung für die Stufe 7 und hoffen, diese in Budapest bekannt zu geben. Krankenhäuser der Stufe 7 verwenden Best Practices, die von anderen Organisationen des Gesundheitswesens untersucht und übernommen werden können, um mithilfe von Anwendungen der elektronischen Patientenakte die Patientensicherheit, klinische Ergebnisse und die Effizienz bei der Patientenversorgung zu verbessern. Was die Krankenhäuser der Stufe 7 erreichen, dient als wichtiger Indikator für eine hochwertige Patientenversorgung mit der interoperablen, elektronischen Patientenakte.
Herr Buddrus, vielen Dank für das Interview. (HTW)
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