HAMBURG, DE - (HealthTech Wire / News) - Eines der Schwerpunktthemen des diesjährigen Röntgenkongresses ist die Sportmedizin. Der Radiologe und Privatdozent Dr. Wolfgang Krampla vom Donauspital Wien beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Schnittstelle Sportmedizin und Radiologie. Einer seiner Forschungsschwerpunkte sind die Spätfolgen und Überlastungsschäden an den Gelenken bei Hobby-Sportreibenden. Ein Statement über die Bedeutung der Bildgebung für die Sportmedizin.
- Einsatzmöglichkeiten der Radiologie in der Sportmedizin nach Verletzungen, zur Beurteilung möglicher Gesundheitsschädigungen durch langjährige Ausübung eines Sportes oder bei Auswahl einer Sportart
- Sportradiologie gewinnt als Subspezialität der Osteoradiologie immer größere Bedeutung
- Untersuchung der Schnittstellen zwischen Sportmedizin und Radiologie mit Forschungsschwerpunkten auf Spätfolgen und Überlastungsschäden an Gelenken bei Hobby-Sportlern
Das Interesse an sportlicher Aktivität nimmt seit Jahren konstant zu, gerade die Hochleistungssportarten, die einen besonders hohen Trainingseinsatz erfordern, erfreuen sich bei Hobbysportlern wachsender Beliebtheit. Interessant ist etwa die steigende Zahl an Teilnehmern von Marathon-Veranstaltungen, besonders aber der Umstand, dass immer mehr Läufer auch ans Ziel gelangen!
Mit der Zunahme sportlicher Betätigung nehmen auch die Verletzungsfälle zu. Hinsichtlich der Verletzungsrisiken hat sich eine Unterscheidung nach individuellen und volkswirtschaftlichen Aspekten etabliert; die Breitensportarten Fußball und Skifahren bergen sowohl in Deutschland als auch in Österreich das höchste volkswirtschaftliche Risiko. Das individuelle Risiko ist bei Sportarten wie Rugby, gefolgt von Basketball und Volleyball besonders ausgeprägt. Hinsichtlich des individuellen Risikos ist Rugby 25 Mal so gefährlich wie Fußballspielen. Betrachtet man hingegen die volkswirtschaftlichen Kosten, so sind Fußballspielen zusammen mit Schifahren die weitaus teuersten Hobbysportarten während Rugby fast bedeutungslos ist.
Erster Ansprechpartner für den Sportler ist der Sportmediziner. Die Basisuntersuchungen beim Sportmediziner umfassen einen Check-up des Herzkreislaufsystems und die Überprüfung der Lungenfunktion. Eine Basisuntersuchung sollte für jeden Amateur-Sportler am Beginn seiner Aktivität stehen, besonders, wenn er bereits im fortgeschrittenen Alter mit dem Sport beginnt. Im Leistungssport ist die regelmäßige medizinische Überwachung ohnehin obligatorisch.
Das „Arbeitspferd“ der Sportradiologie – die Magnetresonztomografie
Die Radiologie kommt immer dann ins Spiel, wenn Verletzungen auftreten, Knochenbrüche, Gelenkverletzungen. Aber auch chronische Schmerzen und die vom Sport herrührenden Überlastungen sind ein Fall für die Radiologie. Bei akuten Verletzungen spielt zwar das konventionelle Röntgen noch eine Rolle, das eigentliche „Arbeitspferd“ der Sportradiologie ist aber die Magnetresonanztomografie. Vorteile dieser Bildgebung – neben dem Umstand,dass sie praktisch nebenwirkungsfrei ist und der Patient keiner Strahlenbelastung ausgesetzt wird: Die MRT verfügt über den besten Weichteilkontrast aller bildgebenden Verfahren, sodass Knorpelgewebe und die Bänder sehr gut zu diagnostizieren sind.
Radiologie unterstützt Wahl der Sportart
Radiologische Studien sind aber auch eine gute Grundlage zur Beurteilung einer möglichen Gesundheitsschädigung durch die langjährige Ausübung eines Sportes und können dazu beitragen, eine geeignete Sportart auszuwählen. Derartige Studien haben beispielsweise die unerwartet günstigen Auswirkungen jahrzehntelangen Langstreckenlaufs auf das Kniegelenk erforscht oder auch die Häufigkeit von Überlastungsbrüchen an den Wirbelbögen bei unterschiedlichsten Sportarten. So ist es höchst überraschend, dass derartige Schäden bei Turmspringern dreimal häufiger beobachtet werden, als beim diesbezüglich als besonders gefährlich eingeschätzten Kunst- und Bodenturnen oder Gewichtheben. Sportmedizinischepidemiologische Studien sind eine wichtige Grundlage, um potentiell Gesundheitsschädliche Sportarten zu erkennen. Manche Überlastungsschäden sind für einzelne Sportarten typisch und werden häufig lange Zeit nicht erkannt, da diese Krankheitsbilder zu wenig bekannt sind. Als Beispiele sollen hier nur die Osteitis Pubis (Schambeinentzündung) oder das Pes anserinus-Syndrom (Überlastung einer Muskelsehne im Knie oft in Kombination mit einer Schleimbeutelentzündung) genannt werden.
Hobbysportler: Maximal 80 Kilometer pro Woche
Während sportbedingte Verletzungen sich nicht prinzipiell von Verletzungen durch andere Ursachen unterscheiden, so treten manche Überlastungsschäden sonst kaum auf. Da die richtige Therapie von der korrekten Diagnose abhängt, sollte speziell bei chronischen Beschwerden bei sportlich ambitionierten Menschen an solche Krankheitsbilder gedacht werden. Um diese erkennen zu können, muss der damit befasste Radiologe die Erkrankungen aber auch kennen. Damit ist davon auszugehen, dass mit zunehmender Verbreitung des leistungsorientierten Breitensportes auch die Sparte der Sportradiologie als Subspezialität der Osteoradiologie (Skelettradiologie) eine immer größere Bedeutung erlangen wird. Hinsichtlich der Verletzungsmuster gibt es wenig Unterschiede zwischen Berufs- und Amateursportlern, doch gibt es grundsätzlich zwei Sporttypen, die ein besonders häufiges Risiko für Verletzungen haben: der Hochleistungssportler, der sich extrem fordert und der Anfänger, der den Sport übertreibt oder falsch trainiert. Die Natur leistet sich keinen Luxus. Der Aufbau der Muskulatur und die Anpassung des Skelettes an verstärkte Belastungen erfolgen langsam. Im Anfangsstadium führen übertriebene Anstrengungen leicht zu Überlastungsschäden, ebenso wie im absoluten Grenzbereich der Belastbarkeit. Ein guter Hobbysportler belastet bei einem einzigen Marathonlauf seine Kniegelenke mit annähernd 6.000 Tonnen Gewicht – zum Vergleich: der Eiffelturm besteht aus 7.300 Tonnen Metall. Bei entsprechender Vorbereitung passen sich die hoch belasteten Strukturen gut an die Erfordernisse an. Geeigneter Sport in jungen Jahren ist eine der effektivsten Maßnahmen, um einer späteren Osteoporose (Knochenschwund) vorzubeugen. Dabei ist „mehr“ nicht gleichzusetzen mit „besser“. Als Faustregel gilt, dass Hobbyläufer mit einem Trainingspensum von maximal 80km/Woche ihre Knochen, Gelenke, Muskulatur und Kondition steigern. Ab ca. 100 km/Woche nehmen Überlastungsschäden dramatisch zu, da die Regenerationsphasen nicht mehr eingehalten werden können. Dieser Trainingsbereich ist im Profisport unerlässlich, im Hobbysport ohne strenge sportmedizinische Betreuung zu meiden. Der volkswirtschaftliche Nutzen durch körperliches Training ist in jedem Fall ungleich größer als die möglichen Gefahren. Vorschäden und Zeichen einer Überlastung müssen bei der Auswahl der Sportart aber unbedingt berücksichtigt werden. Erforderlich hierfür sind auch Radiologen mit Verständnis für sportorthopädische Fragestellungen. Ohne Kenntnis der überlastungsbedingten Krankheitsbilder und des typischen Beschwerdebildes kann die korrekte Diagnose nicht gestellt werden.
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Quelle: Deutsche Röntgengesellschaft
