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Finanzierung von Investitionen wird für Spitäler zur Existenzfrage

Veröffentlicht: 21.05.2010

NOTTWIL, CH - (HealthTech Wire / News) - Die landesweite Einführung von Fallpauschalen ab 2012 stellt die Schweizer Spitäler vor grosse Herausforderungen. Insbesondere die Finanzierung von Investitionen sorgt für Unsicherheit, obwohl bei den Immobilien ein grosser Erneuerungsbedarf besteht. Dies machte der 2. Schweizerische Kongress immoHealthCare.ch vom 17. und 18. Mai im luzernischen Nottwil deutlich.

Die Schweizer Krankenhäuser stehen vor grossen Veränderungen: Ab 2012 arbeiten sie nicht mehr in einem geschützten Bereich. Sie müssen einerseits die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und gleichzeitig wettbewerbsfähig sein, weil Patienten den Behandlungsort frei wählen können. Am Kongress immoHealtCare.ch wurde von namhaften Referenten aufgezeigt, wie mit den neuen Regelungen der Kosten- und Leistungsdruck steigt und ein regionaler Verdrängungswettbewerb ausgelöst wird.

Innovative Spitalfinanzierungsreform

Die neuen Fallpauschalen sollen nicht nur die Behandlungskosten decken, auch die
Investitionen der Spitäler müssen künftig daraus finanziert werden. Damit begibt sich die
Schweiz auf gesundheitsökonomisches Neuland. "Weder national, noch international gibt es Erfahrungen", führte einer der Hauptreferenten, PD Dr. med. Simon Hölzer, aus. Als
Geschäftsführer der SwissDRG AG ist er im Auftrag des Bundes für die Einführung des neuen Systems verantwortlich.

Die Pauschalvergütung soll dazu führen, dass Investitionen nicht mehr dem Strukturerhalt
dienen, sondern gezielter in notwendige Infrastruktur und Komfort für den Patienten getätigt werden. Die Kantone halten sich im Moment damit zurück, obwohl der Erneuerungsbedarf bei den öffentlichen Spitälern hoch ist: Allein im Kanton Zürich beträgt er 3 Milliarden Franken. Trotz Kostendruck ist Simon Hölzer überzeugt, dass die Patienten unter der Fallpauschale nicht zu leiden haben. Die grössere Transparenz soll zu einer besseren Behandlungsqualität führen.

Spitäler hoffen auf höheren Investitionszuschlag

Pro Behandlungsfall können Spitäler künftig mit einem Investitionszuschlag von 432 Franken rechnen. Zu diesem Schluss kommt eine noch unveröffentlichte Studie zu den
Anlagenutzungskosten in drei Kantonen, welche Christian Elsener von PricewaterhouseCoopers vorstellte. Die Spitalbetreiber halten diesen Betrag für viel zu tief. Würde beispielsweise mit dem Wiederbeschaffungswert statt mit dem Anschaffungswert gerechnet, ergäben sich gemäss Studie Kosten von über 1000 Franken pro Behandlungsfall. Für Christian Elsener steht deshalb die Frage im Raum, ob die vorgesehenen Fallpauschalen-Regeln so angewendet werden sollen, oder ob Anpassungsbedarf besteht. Für einige Spitäler dürfte es zur Überlebensfrage werden, ob es ihnen gelingt, die Investitionen zur Erneuerung der veralteten Infrastruktur durch den Betrieb zu erarbeiten.

Spitäler ungenügend vorbereitet

Am Beispiel der Gastregion Bern wurde illustriert, wie sich die bevorstehende
Systemänderung auf kantonaler Ebene auswirkt. Ohne Sparmassnahmen würden sich die
Kosten um 463 Millionen Franken pro Jahr erhöhen. Die Spitallandschaft ist eine Baustelle, die Patientenströme werden sich ändern. Bei den Spitälern herrscht Planungs- und
Budgetunsicherheit. Beat Straubhaar, CEO des Spitals Simmental-Thun-Saanenland, sieht
deshalb Handlungsbedarf beim Immobilienmanagement, um die Gebäudekosten zu senken: "Die Berner Spitäler sind diesbezüglich ungenügend auf die neuen Herausforderungen vorbereitet."

Strategische Chancen

An der immoHealthCare.ch wurden den über 200 Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer
auch erfolgversprechende Strategien und Lösungsmöglichkeiten vorgestellt: Diese reichen von der Auslagerung von Sekundarleistungen, Privatisierungen, Finanzierungsalternativen,
Prozessoptimierungen, intelligente Gebäudegestaltung, innovative IT- und
Energieinfrastruktur bis zu kosteneffizienter Reinigung und Gastronomie. Um sich am Markt
behaupten zu können, müssen die Anbieter noch in guten Zeiten ihre Chancen erkennen und strategische Partner suchen. Das Schweizer Gesundheitswesen wird damit verstärkt
entpolitisiert und durch ökonomische Faktoren geprägt werden.

Nächste Gastregion: Basel-Stadt

Der Schweizer Kongress immoHealthCare.ch zu Immobilienmanagement und Supportprozessen im Gesundheitswesen wird jährlich durch die Firma Trend Care AG durchgeführt. Daran nehmen Entscheidungsträger aus den Bereichen Spital, Pflege und Versicherung teil, ebenso wie Politiker und Wirtschafsfachleute. Am nächsten Kongress am 18./19. Mai 2011 wird der Kanton Basel-Stadt als Gastregion auftreten. Zum Thema "Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) im Gesundheitswesen" findet zudem am 22./23. September 2010 zum zehnten Mal der Kongress eHealthCare.ch in Nottwil statt.

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Quelle: immoHealthCare.ch


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